Buch, DVD, CD 5/21

Tanz - Logo

Sachbuch
RAQS BALADI So nennt die ägyptische Tänzerin und Choreografin Nora Amin den orientalischen Tanz, den man als Raqs Sharki kennt und der gern ein «Bauchzittern» genannt wird: in ihrer Heimat ein Schimpfwort. Baladi scheint ihr der angemessenere Name zu sein, wörtlich der «Tanz meines Landes». Das sei weniger dem Patriotismus geschuldet als dem Umstand, dass islamische, später koloniale Kräfte in Ägypten entscheidend dazu beitrugen, den weiblichen Solotanz mit Prostitution und Sittenlosigkeit gleichzusetzen.

Es war ein Tanz aus dem Volk der Roma, der Ghawazee genannt wurde, zu Deutsch: «Eroberer», ein Tanz der Fremden. Gründlich beschreibt Amin die erinnerlichen Protagonistinnen dieser Kunstform, als Ägypten noch britisches Protektorat war – mit allen damit verbundenen Zugeständnissen ans westliche Cabaret, wie man es heute noch in Kairo erleben kann. Aus der Tänzerin wurde eine Unternehmerin. Im Nebenberuf waren viele von ihnen Spioninnen oder wurden dafür gehalten, waren Rebellinnen, vor allem aber: Filmstars. Kein ägyptischer Film kam ohne Baladi aus. Heute, wo ein Gutteil der Tänzerinnen aus dem Westen stammt, ist das Bändchen der künstlerischen Leiterin der Lamusica ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2021
Rubrik: Medien, Seite 45
von

Weitere Beiträge
Itamar Serussi «HENRY»

Wie schafft es die Batsheva Dance Company bloß, immer die coolsten, zeitgeistigsten Choreografen hervorzubringen – Hofesh Shechter, Sharon Eyal, jetzt Newcomer Itamar Serussi? Wie können so viele unterschiedliche Bewegungscodes gleichzeitig in einem Choreografenhirn aufploppen, wie das in «Henry» geschieht? Und wer zum Teufel ist bloß dieser titelgebende Henry?

Zum...

Kultur: essenziell?

Ist Kultur von Bedeutung? Für die Gesellschaft? Und wenn ja, wie? Man darf ja mal fragen … In Paris geben Emmanuel Macron und seine Regierung in der Covid-Krise zu verstehen, was sie wirklich wertschätzen: Kirchen dürfen öffnen, Theater, Kinos und Museen nicht. Die Empörung der Kulturschaffenden schlug ab März in Verzweiflung um. Bereits 20 Prozent ihrer...

Spielerisch durch Wände gehen

Eine minimale Bewegung öffnet einen maximalen Spielraum. Doch manchmal braucht es dafür eine Schule des Schauens. Auf die feine Geste gelenkt, weitet sich der Blick, macht die Schranken im Kopf durchlässig und entlarvt so das ständige Messen an Normen als unproduktives Scheingefecht. Was für eine Befreiung! Allein die subtil vermittelte Erkenntnis, dass subjektives...