Bonn on tour: «Story Water»
Als Emanuel Gat 2016 «Sunny» auf die Bühne brachte, lud er zum ersten Mal einen Musiker ein, live zu spielen: François Przybylski, Ex-Tänzer der eigenen Kompanie, und heute unter dem Künstlernamen Awir Leon ein erfolgreicher Alchimist der Töne. Doch das war nur ein Vorspiel zur aktuellen Kreation: «Story Water», ein Live-Dialog zwischen einem choreografischen und einem musikalischen Ensemble. Die Tänzer tragen Body Painting und evozieren eine Aborigines-Community.
Der Titel geht auf ein Gedicht des Mystikers Rumi zurück, aus dem Gat zitiert: «Eine Geschichte ist wie das Wasser, das du für dein Bad erhitzt. Es überbringt die Botschaften zwischen dem Feuer und deiner Haut.»
Wasser, Bad und Feuer: Das alles mischt sich in der Musik, wenn sich das Ensemble Modern unter der Leitung von Franck Ollu, einem Spezialisten für zeitgenössische Musik, in das aufbrausende «Dérive 2» von Pierre Boulez wirft. Laut Gat ein «musikalisches Kaleidoskop» und laut Ollu «eine physisch ungeheuer anstrengende Partitur».
Für die Musiker, wohlgemerkt, denn die Instrumentengruppen – Perkussion, Bläser und Streicher – scheinen ständig auseinanderzustreben. Da werden unbändige Kräfte frei, die gebündelt ...
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Tanz August/September 2018
Rubrik: Kritik, Seite 42
von Thomas Hahn
Mehr als zwanzig Jahre lang hatten Mourad Merzouki und Kader Attou nicht mehr gemeinsam choreografiert. Vor etwa zehn Jahren wurden beide Direktoren eines Centre Chorégraphique National, gründeten ihre eigenen Festivals, produzierten mit ihren Kompanien beeindruckende, abendfüllende Stücke. 2017 kam der Vorschlag, mal wieder die Köpfe zusammenzustecken und...
«Slawisches Temperament» liegt ihnen im Blut, und der Bitte des Prager Ballettdirektors Filip Barankiewicz, wenigstens ein Musikstück eines slawischen Komponisten aufzugreifen, wollte sich keiner der drei Nachwuchs-choreografen verweigern: Ondrej Vinklát, Erster Solist des Nationaltheaters und im Nebenberuf Komponist, setzte sich mit einer «Dumka» von Antonín...
Alida schließt die Fenster in der Arnulfstraße und lässt die schwarzen Filzvorhänge runter – jetzt können weder das Tageslicht noch die Geräusche aus der nahen Hauptbahnhof-Halle die konzentrierte Stimmung im Probenraum stören. Die sechs jungen Tänzerinnen stellen sich in der Ecke auf, sie sind in sanftes Kunstlicht getaucht, Alida steht zwei Schritte vor den...
