Prag: «Slavansky Temperament»
«Slawisches Temperament» liegt ihnen im Blut, und der Bitte des Prager Ballettdirektors Filip Barankiewicz, wenigstens ein Musikstück eines slawischen Komponisten aufzugreifen, wollte sich keiner der drei Nachwuchs-choreografen verweigern: Ondrej Vinklát, Erster Solist des Nationaltheaters und im Nebenberuf Komponist, setzte sich mit einer «Dumka» von Antonín Dvorák auseinander; unter den «Aspects» seiner polnischen Kollegin Katarzyna Kozielska findet sich nicht nur Musik von Henryk M.
Górecki, und Andrej Kajdanovskij, ein Russe, zitiert zum Abschluss seines «Perfect Example» nichts weniger als die Hymne der Panslawisten.
Aller Gemeinsamkeit zum Trotz fallen die drei Arbeiten ganz unterschiedlich aus. Vinklát lässt uns teilhaben am Verlust eines Menschen und zeigt zugleich, wie lebendig eine Erinnerung sein kann; so lebendig, dass alles Lebendige drumherum völlig verblasst. Am Anfang kauert Tereza Kucerova noch vor einer Wand, die das Jenseitige zunächst nur ahnen lässt. Sobald jedoch dahinter der Schatten eines Verblichenen auftaucht, sucht sie sich einzufühlen in seine Bewegungen, während die anderen Paare in ihren Emotionen erstarren. Je mehr ihr das gelingt, desto greifbarer ...
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Tanz August/September 2018
Rubrik: Kritik, Seite 50
von Hartmut Regitz
tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Hartmut Regitz, Dorion Weickmann, Arnd Wesemann
Mitarbeit: Sofie Goblirsch, Marc Staudacher
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel +49 (0)-30-254495-20, Fax -12
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