Bolsonaros Schatten
Der brasilianische Choreograf Bruno Beltrão und ein Freund gründeten Grupo de Rua, als Beltrão kaum sechzehn war. Das war 1996 in den Vororten von Rio de Janeiro. Was als Break- und Streetdance-Gruppe begann, sprengte nach und nach das Denken in Hip-Hop-Kategorien, vor allem seit Beltrão mit 20 Jahren das Tanzstudium an der Universität von Rio aufnahm. Seine Tanzvision setzte bald darauf, die Urbanität des Hip-Hop mit Techniken des zeitgenössischen Tanzes und Konzepttheaters zu verschmelzen, um abstrakte Tanzlandschaften zu kreieren.
Eine Art Freiluftgefängnis
«New Creation», Beltrãos neues Auftragswerk für ein Produktionsbündnis vom Frankfurter Mousonturm über Hamburgs Kampnagel bis zu den «Wiener Festwochen» (und weitere Player aus Paris, London, Rom …) dauert knapp 60 Minuten. Es ist erst sein neuntes Stück in 20 Jahren, sämtlich entstanden zwischen ausdauernden Tourneen. Los geht es sehr variabel in einer Technik kurzer, lichtdefinierter Cuts (Lichtdesign: Renato Machado), was bei der Uraufführung ungeheuer schick wirkt in der großen nackten Frankfurt-LAB-Halle (Bühne: Anderson Dias) mit ihren seitlich verhängten Wänden, den Scheinwerfern beidseits und der sparsam eingesetzten ...
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Tanz August/September 2022
Rubrik: Tanz im August, Seite 10
von Marcus Hladek
Der Sommer hatte dem Corona-Virus zugesetzt. Zu heiß, zu viel Luft ... Wir konnten wieder ins Theater. Wir würden nicht sehr viele Abende schaffen. Aber daran dachten wir im September 2020 lieber nicht. Das Schauspielhaus Zürich eröffnete mit einem Tanzstück, mit «The Köln Concert» von Trajal Harrell zu Musik von Keith Jarrett und Joni Mitchell. Wir saßen mit...
DANCE AROUND THE WORLD
Erst Tel Aviv, dann Sankt Petersburg, jetzt die Niederlande – der Tanz rund um die Welt mit dem Reiseleiter Eric Gauthier geht weiter. Und weil der Chef von Gauthier Dance in Stuttgart ein echter Wirbelwind ist, stöbert er alles auf, was Rang und Namen hat: Hans van Manen, gerade 90 geworden (tanz 7/22), empfängt ihn in seinem Domizil, Jiří...
Virve Sutinen, die Choreografin Cristina Caprioli, die Sie im Rahmen der letzten von Ihnen kuratierten «Tanz im August»-Ausgabe mit einer Retrospektive ehren, gehört zu den fast schon wieder vergessenen Heldinnen des postmodernen Tanzes. Welche Bedeutung hat die in Italien geborene, in Schweden eingewanderte Künstlerin?
Vor allem auf die nordischen Länder hat sie...
