Beine hoch
Es gibt Vergnügen, die einfach nur schön sind. Marke «Augenweide». Dazu gehört für mich ohne Zweifel die Kickline des Friedrichstadt-Palast Berlin, die längste der Welt. Wenn die 32 Tänzer*innen, 30 Frauen und 2 Männer, aufgestellt in einer langen Reihe, vollkommen synchron ein Bein in die Höhe schnellen lassen, um es genauso schnell wieder auf die Erde zu setzen – dabei immer schön auf dem Ballen landen – dann ist die Welt für einen Moment (genauer: ungefähr drei Minuten lang) im Lot. Geordnet und heiter.
Wie ein Körper mit 64 Beinen schiebt sich die Gardetruppe von einer Bühnenseite zur anderen. Lange, wohl geformte Beine, hautenge Trikots und strahlende Gesichter unter hohen Federpuscheln. 100 % Revuefeeling. Dieses Vergnügen hat sich seit 100 Jahren kaum verändert und ist immer noch das Highlight jeder «Grand Show» im Haus an der Friedrichstraße. Das 60-köpfige Ensemble arbeitet täglich hart an der Qualität dieser leichtfüßigen Unterhaltung: stundenlanges Balletttraining, schminken, ankleiden, raus auf die Bühne. 500-mal wird die Produktion «Falling I In Love» verteilt auf zwei Jahre laufen. Ein Knochenjob.
Das war im Großen Schauspielhaus nahe dem Bahnhof Friedrichstraße 1923 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Oktober 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Claudia Henne
Sie sitzt in Reihe 5, als das Licht mählich erlischt. Wie mag sich das anfühlen, der Premiere der eigenen Inszenierung vom Parkett aus beizuwohnen? Sasha Waltz braucht ein Weilchen, bevor sie zur Ruhe kommt. Bevor sie nicht mehr die Choreografin, die Regisseurin des Abends ist, die dem etwas saumseligen Chor bedeuten muss aufzustehen: indem sie die Handflächen nach...
Tanz und Theater für ein junges Publikum hat es in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor schwer. Auch wenn die meisten Akteure sich mittlerweile qualitativ und ästhetisch nicht hinter den großen Geschwistern zu verstecken brauchen und auch das Interesse beim Publikum ungebrochen groß ist, fehlt es doch meist an Aufmerksamkeit für diese Kunstform für die Kleinen...
Otero ist punk. Sie ist Kult. Und der Begriff der «Tanzautorin» passt auf sie wie auf niemanden sonst. Otero bringt ihre eigenen Texte zum Tanzen. Texte, die das surreale, dramatische, emotional chaotische und oft obsessive Gefühls-, Berufs- und Liebesleben der Argentinierin verhandeln und gleichzeitig neu erfinden. So verweist sie Trennlinien zwischen...
