Anschub
Christiane Theobald ist eigentlich schon auf Abruf. In eineinhalb Jahren wird die Interimsintendantin des Berliner Staatsballetts die Leitungsaufgaben an Christian Spuck abgeben, Choreograf und derzeit noch Direktor des Ballett Zürich. Beide kennen sich gut, schätzen sich – auch deshalb nutzt Theobald die verbleibende Zeit, um ein paar sehr entscheidende Weichen zu stellen.
Nachdem im Winter 2020 ein Fall von Rassismus in den eigenen Reihen ruchbar wurde (tanz 2/21) und schließlich vor Gericht ging, hat Theobald ein Gesprächsformat aufgelegt, das unter dem Titel «Ballet for Future? Wir müssen reden!» regelmäßig Expert*innen am runden Tisch in der Berliner Bismarckstraße versammelt, um von Repertoire über Arbeitsbedingungen und Hierarchien bis Ausbildung den Status quo auf Veränderungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten abzuklopfen. Außerdem leistet das Staatsballett neuerdings Starthilfe in Form eines Mentorship-Programms, das, so Theobald, «die Brücke zwischen Schule und Theater, also Lehre und Praxis» bauen soll.
Individuelles Coaching
Zwei Schieflagen und die Corona-Krise brachten die Intendantin auf diese Idee: In schwerem Fahrwasser navigierte ja nicht nur ihre eigene ...
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Tanz Januar 2022
Rubrik: Praxis, Seite 50
von
Den Haag; online
MIST Zwei Spielzeiten hintereinander musste das Debüt des Choreografen Damien Jalet mit den Tänzer*innen des NDT1 wg. Corona ausfallen. Die Lage hat sich leider nicht geändert, sodass Jalets Kreation «Mist» nun über die Leinwand bzw. den Bildschirm flimmern wird – als Filmversion des iranischen Regisseurs Rahi Rezvani mit reichlich Bühnennebel aus...
Die Stühle sind schon gefallen. Nebel wallen. Es liegt Endzeitstimmung über der Szene, wenn Zölligs Kompanie die schwarze Bühne zwischen den Brandmauern des Staatstheaters entert. Der ehemalige Pina-Bausch-Tänzer Rainer Behr beschwört in seinem neuen Tanzstück «Denn Bleiben ist nirgends» das Schwankende, Gleitende, Flüchtige der menschlichen Existenz und findet...
Entmündigt
Ein arabischer und ein chinesischer Tanz, komponiert von dem Russen Peter Tschaikowsky, minutenkurz, gesehen durch die Brille des 19. Jahrhunderts. Und so rekonstruiert, wie bei der St. Petersburger Uraufführung 1892 gezeigt. Ist das heute wirklich Grund genug, eine teure «Nussknacker»-Produktion als jüngsten Fall von Cancel Culture abzusetzen, wie beim...
