Zugvögel
Freiheit – so fühlt sich dieser Tanz an. Mit Macht treibt er voran, strömt auf die Bühne wie angesogen von der ersehnten Aussicht, taumelt weiter, schneller, schwindelerregend, immer näher an den endlosen Himmel heran. Leidenschaftlich werfen die Tänzer ihre Arme und Beine in die Luft, als wären es Flügel und sie könnten sich in die Luft schwingen und das Dach des ehrwürdigen Hauses aufsprengen, gemeinsam ausschwärmen, auf dem Wind ins Weite – vor sich alle Ewigkeit.
So viel Leidenschaft ist ansteckend. Und rührend.
Sie verhindert, dass wir uns in den altrosa Polstern auf unserer Lebenserfahrung ausruhen. Kunst ist nicht Leben. Illusionen zerplatzen. Kein Walzer währt ewig; dann gehen die Lichter aus. Warum also schwelgen? Aber ist Vorsicht wirklich besser als Nachgeben? Jirí Kylián mag ein Romantiker sein, naiv ist er nicht. Seiner hemmungslos jauchzenden Hymne an die Lebensfreude im rauschhaften Walzertakt Ravels geht eine lange Stunde elegische Abschiedsstimmung voran. Es heißt, die «Zugvögel» seien seine letzte große Bühnenproduktion. Will man den Humanisten und Eklektiker zwischen Ballett, Modern Dance, strenger Abstraktion und Volkstanzseele fassen: Vergänglichkeit ist sein ...
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