Zarte Versuchung

Ballerinen als Fashion-Models, Tänzer im Business Look – längst firmieren Werbung, Videoclip und Catwalk als Bühnen für den Tanz. Ob Profis dort Erfüllung finden oder nur dem Reiz des schnellen Geldes erliegen? Dorion Weickmann hat nachgefragt

Sie hat mit Anne Teresa De Keersmaeker getanzt, war in der «West Side Story» am Broadway besetzt, ist auf Videos von Alicia Keys verewigt und findet generell: «Warum soll ich nur ein einziges Feld betanzen?» Er ist Hauschoreograf des New York City Ballet, verkauft seine postneoklassischen Knüller in alle Welt und wechselt ab und an mal ins Lager des Klassenfeindes namens Kommerzchoreografie.

Stephanie Crousillat und Justin Peck sind nur zwei Beispiele für einen Trend, der sich in den USA längst durchgesetzt hat: Wer tänzerisch was drauf und sich vielleicht sogar einen klangvollen Namen gemacht hat, der kann beides im Werbe- und Showsektor versilbern.

Niemand rümpft darüber die Nase, niemand wird die weitere Theatertauglichkeit bezweifeln oder bestreiten, dass Kamera- und Laufstegjobs sich auch künstlerisch auszahlen. Für Geld allein lassen sich Regisseure wie Spike Jonze oder Ridley Scott, Choreografen wie Damien Jalet oder Sharon Eyal kaum einkaufen. Was also lockt diese und andere Künstler, immer mal wieder PR-Material zu liefern – High-End-Produktionen im Auftrag von Marketingabteilung XYZ? Für US-Tänzer, die in der Regel freischaffend sind und selbst von großen Kompanien nur ...

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Tanz Oktober 2020
Rubrik: Commercials, Seite 14
von Dorion Weickmann

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