Xenia Wiest, Iratxe Ansa, Igor Bacovich «Strawinsky – Petruschka/Der Feuervogel»
Noch vor ein paar Jahren wäre ein Strawinsky-Doppelabend eine Nummer sicher gewesen. Heute aber muss sich ein Theater, das «Petruschka» und «Der Feuervogel» auf die Bühne bringt, positionieren: Wie verhält man sich angesichts des russischen Überfalls auf die Ukraine gegenüber der russischen Balletttradition? Das von Xenia Wiest auf überregionale Sichtbarkeit getrimmte Ballett X Schwerin versucht es mit Verweigerung: Ballets-Russes-Nostalgie kommt hier jedenfalls keine auf.
Iratxe Ansa und Igor Bacovich verlegen das Jahrmarktsmärchen «Petruschka» in einen abstrakten Raum ohne irgendwelche Volksfestanmutung, ein maliziöser Gaukler (Vinícius Leme) agiert vor schattenhaften Marktbesuchern. Petruschka, Ballerina und der Adlige (der Antagonist Petruschkas ist bei Matteo Fogli ohne seine ursprünglich rassistisch grundierte Charakterisierung gezeichnet) werden marionettenähnlich geführt. Da kann die von Mark Rohde schwungvoll dirigierte Staatskapelle noch so leidenschaftlich russische Weisen zitieren – volkstümlich ist hier rein überhaupt nichts mehr.
Dafür ist der Abend tänzerisch ein Genuss, der einerseits von der gelenkigen Verzweiflung und artikulationsstarken Theatralik Benjamin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2024
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Falk Schreiber
Als Tänzer war Laurent Hilaire, Direktor des Bayerischen Staatsballetts, die Eleganz selbst: Hoch gewachsen, ausdrucksvoll, sprunggewaltig und dabei für feinzart lyrische Partien ebenso prädestiniert wie für Draufgänger, klassische Helden oder postmodernes Forsythe-Fortissimo. Die erste von ihm selbst geplante Spielzeit in München hat er mit einem Ballett bestückt,...
Der Fußball hat Jérôme Boateng, der Schlager hat Roberto Blanco. Was hat der Zirkus? Auf jeden Fall keine Stars, die man auf der Straße erkennt, auch wenn man sich für das Genre gar nicht interessiert. Also konstruiert man sich Stars. Und wie macht man das? Mittels einer Castingshow namens «Showdown», in der sich sieben Artist*innen verausgaben. Behauptet zumindest...
Im ersten Moment fühlt man sich wie in einer Talkshow. Mit übergeschlagenen Beinen sitzen Simon Hartmann und Daniel Ernesto Mueller einander zugewandt auf der Bühne des Mülheimer Ringlokschuppen. «Wie fühlst du dich?», möchte der eine vom anderen wissen. Abwechselnd erzählen sich die beiden Hartmannmuellers aus ihrem Leben. Ein Seelenstriptease, nichts ist, wie es...
