Wozu braucht es hier noch einen Mann?

Pina Bausch hat mit ihrem neuen Stück gezeigt: Die Frau hat sich emanzipiert. Von ihrem Begehren und von ihrem Verlangen. «wie geht’s? tot, aber gut!», heißt es in ihrem jüngsten Meisterwerk, und: «Männer kann man benutzen, aber was kann man mit ihnen anfangen?»

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Da steht sie, aufrecht und schmal, schlichter schwarzer Anzug, flaches Schuhwerk, die Arme links und rechts um ihre Tänzerinnen geschlungen. Festen Schritts tritt sie an die Rampe und nimmt die Ovationen ihres Publikums entgegen. Dennoch, ein skeptischer Blick über die Scheinwerfer hinweg streift das Parkett, der Hauch eines Lächelns spielt um ihre Lippen.

Draußen, im Foyer des Wuppertaler Schauspielhauses, hängt das Bild einer anderen Frau, die doch dieselbe ist.

Vor 42 Jahren ist es aufgenommen, im Folkwang-Studio, und zeigt Pina Bausch mit allen Insignien der fashionablen Sixties: ein Lidstrich à la Callas, darüber elegant geschwungene Augenbrauen, falsche Wimpern und ein sinnlicher Mund, wie ihn Audrey Hepburn als Holly Golightly zum «Frühstück bei Tiffany’s» spazieren führt.
42 Jahre, das sind zwei Generationen oder ein halbes Menschenleben, in diesem Fall aber vor allem an die fünfzig Stücke, die sich ein festes Publikum erobert haben. Spielzeit um Spielzeit fiebern Bausch-Enthusiasten der neuen Kreation entgegen, während die gemäßigten Bewunderer seit einigen Jahren Ermüdungserscheinungen ausmachen. Zu Recht, zu Unrecht? Sowohl als auch. Wer das wie immer namenlose «Stück ...

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Tanz Juli 2008
Rubrik: Emanzipierte Verführungen, Seite 10
von Dorion Weickmann

Vergriffen
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