Wokeness

Tanz - Logo

Ein Gespenst geht um in den Kulturredaktionen Europas, ein Spuk namens Wokeness.

Anscheinend handelt es sich um eine sehr mächtige Erscheinung, jedenfalls fürchten die Kulturredakteure (bewusst nicht gegendert), dass Wokeness Kindergeschichten über Native Americans verbietet, dass Triggerwarnungen die Programmhefte verschandeln, dass Gendersternchen jeden Text unlesbar machen, dass ein angesehener Choreograf sich plötzlich verteidigen soll, weil seine über 30 Jahre alte «Othello»-Choreografie womöglich ein paar problematische Elemente beinhalten könnte (tanz 1/23). Schlimm ist das, da muss man etwas dagegen unternehmen! Weswegen die Kulturredaktionen plötzlich zur Speerspitze im Abwehrkampf werden, gemeinsam gegen die kunstferne, zensierende Wokeness!

Allerdings haben all diese ach so kulturzerstörerischen Missstände mit Wokeness überhaupt nichts zu tun. Ursprünglich stammt der Begriff (den man tatsächlich diskutieren könnte, «erwacht» klingt doch sehr nach Zeugen Jehovas!) aus emanzipatorischen Kreisen in den USA der 1930er-Jahre, er bezeichnete ein «erwachtes» Bewusstsein für Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Und auch seine Renaissance ab 2014 hat mit diesem Themenkomplex ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Stefano Giannetti «Sacre»

Eigentlich, sagt Stefano Giannetti, wäre er nicht auf die Idee gekommen, Strawinskys «Le Sacre du printemps» zu choreografieren. Zu sehr sei er geprägt von den drei meisterlichen Versionen, in denen er getanzt hat: Bé-jart, Neumeier, Tetley. Dann kamen Corona, das Umweltdebakel und eine persönliche Katastrophe: Mehrere Meter stürzte er von der Bühne in die Tiefe,...

Highlights 2/23

Den Haag
IN THE DUTCH MOUNTAINS
Seit 2008 arbeitet Marco Goecke regelmäßig fürs Nederlands Dans Theater, bislang choreografierte er jedoch noch kein abendfüllendes Stück. Aber jetzt! Die jüngste Produktion des Hannoverschen Ballettdirektors ist eine Liebeserklärung an die Niederlande, die sich einerseits auf Cees Nootebooms Roman «In de Bergen van Nederland»...

Vorschau/Impressum 2/23

Tânia Carvalho
Tanz, Musik, Bildende Kunst – die Portugiesin Tânia Carvalho springt zwischen den Disziplinen so behände hin und her, wie kaum jemand sonst. Ein Treffen mit der Frau, deren Kunst die reine Vielfalt ist

Tanz im Iran
Hinrichtungen, Gewaltexzesse: Seit Monaten gehen Menschen gegen die Mullahs auf die Straße und zahlen einen hohen Preis dafür. Tanzende
...