wien
wien: willy prager «the victory day»
Beim DDR-Dramatiker Heiner Müller begann der Aufstand als ein Spaziergang «gegen die Verkehrsordnung während der Arbeitszeit». Bei Willy Prager beginnt der Aufstand am Tag des Sieges über längst vergangene Feinde. In Bulgarien, wo Prager aufwuchs, gab es diesen revolutionären Feiertag mit eigens komponierten Schlagern.
Fröhlich tritt er aus den Zuschauerreihen, lädt das Publikum zum Mitklatschen ein, bittet es aufzustehen, den rechten Arm zu heben, die Faust zum Herzen zu führen, und ihm in lustigem Englisch nachzusprechen: «I swear to not tell anyone what I will see and hear here».
Prager hat den Lacher auf seiner Seite, weil er den Volksaufstand – in der Türkei, in Ägypten, in Tunesien – heimtückisch mit dem Vorwurf verwechselt, jede Revolte beruhe auf der Verschwörung einer Minderheit. Auch in den Berliner Sophiensälen zu den «Tanztagen» sind wir die Minorität, die an Blockupy, Arabolution, heute auch an die Istanbuler occupgezi denkt. Zugleich starrt man auf eine seltsame Choreografie der Koreanerin Jee Ae Lim, die im Hintergrund unablässig ihre Füße auf Kante kippt und mechanisch die Arme hebt – es ist kaum ein Bild des Sieges oder einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2013
Rubrik: kalender und kritik, Seite 48
von Arnd Wesemann
Windfall profits. So heißen in der weltweiten Business-Sprache jene Gewinne, die einem einfach so in den Schoß fallen. Manchmal gibt es die auch im Tanz. Benjamin Millepied war, als er 2012 in Los Angeles sein L.A. Dance Project (LADP) gründete, bereits eine aufstrebende Werbe-Ikone und ein Top-Investment für europäische Veranstalter. Von der Kaserne Basel bis zum...
Da macht Sidi Larbi Cherkaoui, einer der international wichtigsten jüngeren Choreografen, ein Stück über den Tango, und wo wird es uraufgeführt? Wer nun im Kopf die einschlägig bekannten Tanzhäuser durchgeht, befindet sich auf dem Holzweg. Denn die Premiere fand an einem besonderen Ort statt, mitten in der Schweiz, nordöstlich von Lausanne, in einer...
Der Fisch ist verendet. Die Augen sind qualvoll verdreht, die rot geschminkten Lippen weit und vor allem: schrecklich schief aufgerissen. Tänzerin Marlúcia do Amaral hat ausgezappelt. Sie war der «sexiest fish alive» unter den Kaltblütern im Tümpel, bis ihr erotisches Geschlängel eine mörderische Besitzgier im Kollegen Jörg Weinöhl (alias: der Angler) geweckt hat –...
