tanz der mienen
Der Fisch ist verendet. Die Augen sind qualvoll verdreht, die rot geschminkten Lippen weit und vor allem: schrecklich schief aufgerissen. Tänzerin Marlúcia do Amaral hat ausgezappelt. Sie war der «sexiest fish alive» unter den Kaltblütern im Tümpel, bis ihr erotisches Geschlängel eine mörderische Besitzgier im Kollegen Jörg Weinöhl (alias: der Angler) geweckt hat – mit tödlichen Folgen. Das «Forellenquintett» zählt zu Martin Schläpfers größten Erfolgen, seit er in Düsseldorf/Duisburg Ballettdirektor geworden ist. Das Stück gastierte in Paris, Amsterdam, Köln, Gütersloh.
Es wurde im Fernsehen ausgestrahlt und gilt als Publikums-Hit. Ob es das auch ohne diese Szene wäre? Die Choreografie ist ausgefeilt, der Spitzentanz exquisit – doch unvergesslich bleibt ein Gesicht: die Fischfratze von Marlúcia do Amaral.
«Ich habe es gerne, wenn ein Gesicht spricht», sagt Martin Schläpfer (Typ: «schiefes, aber sonniges Bubengesicht mit Appenzeller Adlernase», so seine Selbstbeschreibung): «Es gibt zu viele Tänzer, die mir im Gesicht zu tot sind.» In der Tat ein merkwürdiges Phänomen: So sehr Choreografen ein Ballett bis ins kleinste Detail durchplanen – die Frage, in welchem Verhältnis die Mimik ...
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Tanz Juli 2013
Rubrik: ideen, Seite 64
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