wien: Chris Haring: «The Perfect Garden – Deep Dish»
Geradezu meta-irdische Ansichten bietet diese Vogelperspektive. Die Flugroute führt aus dem Ananas-Gebirge über die Erdbeer-Felsen direkt in den Lauch-Dschungel. Falls es ein Paradies gibt, muss es wohl so aussehen wie auf Chris Harings Großbildleinwand – hingepixelt von einer hoch auflösenden Kamera. Es versteckt sich im Dickicht der Minzblätter oder auf dem Planeten Orange. «The Perfect Garden», in der Tat. Doch sobald der Mensch dazukommt, stellt man fest: Es gibt kein Paradies ohne Vertreibung. Man muss ja essen.
So setzen sich die Tänzer zu viert an den Tisch, rund um die Obst- und Gemüselandschaft, greifen zu und kauen. Das sieht, wiederum in Großaufnahme, gar nicht appetitlich aus.
Aber eine andere Art von Schönheit entfaltet ihre Faszination und ergreift von uns Besitz. Das Genre wechselt, von 3D-Naturfilm zu Splatter-Bildern, die Farben verändern sich von Grün zu Rot oder Braun. Wer unter die Tafel gleitet, landet in der Hölle. Auch dort wird gefilmt, gnadenlos. Massaker an einer Tomate. Apokalypse der Wassermelone. Schlammlawine verdorbener Salatblätter, ausgespuckt. Ein Wasserglas voller Larven. Manche Zuschauer beginnen hier, ihr Missfallen kundzutun. Bei der ...
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Tanz August/September 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 68
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