Wie wird man Ballettmeisterin?
Sie sind Erste Ballettmeisterin am Staatsballett Berlin. Für was sind Sie verantwortlich?
Auf Disziplin zu achten, das ist eine meiner Hauptaufgaben. Diese Disziplin beginnt mit dem Besuch des morgendlichen Trainings. Daran erkennt man auch die Einstellung zum Beruf. Dann muss der Probenablauf eingeteilt werden. Als Ballettmeisterin muss ich erst einmal erkennen, wie viel Verständnis der künftige Interpret in seine Arbeit einbringt. Ich muss wissen, wie er über seine Rolle denkt, und ob er es überhaupt «schafft».
Ich beginne gleichsam von hinten, versuche mir das Ergebnis vorzustellen, bevor der Tänzer mit der Arbeit an einer Rolle beginnt.
Wie sieht die Zweierbeziehung zwischen Probenleiterin und Tänzern aus?
Der Interpret ist untergeordnet. Ich weiß genau, was die Rolle braucht – stilistisch, technisch, künstlerisch. Das hat nichts mit Despotismus zu tun. Es ist das Ergebnis meines Wissensvorsprungs. Nachdem ich eine Weile mit dem Tänzer gearbeitet habe, ziehe ich mich von der Probe etwas zurück, um das künftige Resultat erkennen zu können. Ich lasse der Tänzerin etwas Freiheit: eine wichtige Periode während der Einstudierung. Ich zeige verschiedene Varianten, Posen und Stil der ...
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