Wie Andersen am Theater scheiterte
Hans Christian Andersen ist am Theater gescheitert. Die erste Anlaufstelle für seinen Wunsch, berühmt zu werden, war das Königliche Theater in Kopenhagen. Doch für einen Schauspieler war er zu dünn, für einen Tänzer zu linkisch und eine Karriere als Sänger endete mit Stimmbruch.
Andersens Scheitern am Theater ist fundamental. Denn das Märchen, in dem er sich so erfolgreich formuliert hat und heute überall verstanden wird, ist von dem, was Theater oder Tanz ausmacht, mehr als grundverschieden.
Theater ist zuallererst Anwesenheit von realen Körpern auf der Bühne, die wir als lebende Menschen verstehen können und müssen. Das Theater ist darauf angewiesen, dass wir es nicht mit der Realität verwechseln, die Figuren aber aus Fleisch und Blut sind. Würde die Schneekönigin auf der Bühne nicht im Körper einer Frau dargestellt, sondern mithilfe eines Wesens, das sich dort verkörpert, «wo das Schneetreiben am dichtesten» ist, wie es bei Andersen heißt, wären wir nicht länger in einer Theatervorstellung, sondern stünden vor einem Wunder, einer Beschwörung, einem widernatürlichen Vorgang.
Märchen funktionieren über das Fehlen des Körperlichen. Die Protagonisten des Märchens, zumal eines ...
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