Industrihhh!
Essigsauer verziehen Frankreichs Künstler das Gesicht, denken sie an Sponsoring. Dass sie oft genug beim Verkaufen helfen, sehen sie eben nicht. Aber wer finanziert wohl ihre Auslandstourneen? Das Außenministerium! Kultur ist Fortsetzung des (Handels-)Kriegs mit ästhetischen Mitteln. Die Amis boykottieren French Fries und French Wine? La Grande Nation schickt ihre Tänzer! Nicht Cancan, sondern Preljocaj und Nadj. Auch nach Japan mussten sie, als dort der Cognacabsatz einbrach. Die Wellen des Atomtests auf Muroroa waren zu glätten.
Soeben fuhr Chirac nach China um Atommeiler, Fregatten oder Schnellzüge zu verkaufen. Der Kulturminister fuhr mit. Und wunderte sich, dass man in der Heimat nur Umsätze sah, nicht das Kulturabkommen. Auf Madagaskar organisiert Paris einen Tanzwettbewerb für die afrikanische Kreation. Wer gewinnen will, muss Performanceästhetik beherrschen. Wie schnell sie das lernen! Außenpolitische Ambitionen vertragen heute kein Tutu. Diesen Irrtum machen nur noch die Russen. Will die Welt Englisch sprechen, setzt Paris seine Körpersprachen durch. Warum lädt man nur in Belgien Zwerge, Krüppel oder Greise auf die Bühne? Und in Frankreich nicht? Weil Belgien weder Wein, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kampnagel erleidet eine Kürzung von 74 000 Euro, zehn Prozent des Produktionsetats, die stattdessen den Privattheatern überwiesen werden Betrieben von der CDU-Fraktion scheint diese Umverteilung auf den ersten Blick auf Kosten experimenteller und sozial engagierter Projekte zu gehen. Doch längst operiert auch Kampnagel CDU-kompatibel mit Erfolgs-Gastspielen wie...
Schau, was kommt von draußen rein? Es ist nicht das feine Liebchen, auch wenn es sich zuweilen durchaus fein und lieblich gebärdet. Es ist auch nicht der Nikolaus, trotz der dicken Mäntel und der wuchtigen Schritte. Bunte Gestalten sind es, die zum Fenster einsteigen oder aus Schlafsäcken kriechen und gern Lenny Kravitz hören, denen aber auch Franz Schuberts...
Jo Mihaly findet sich, von Yvonne Hardt als «politische Dichterin des Tanzes» charakterisiert, auch in einem Sammelband wieder, der unter dem Titel Tanzen und tanzen und nichts als tanzen das veränderte Körperbewusstsein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts personalisiert. Herausgeberin Amelie Soyka hat sich darin den Beitrag Valeska Gert («Lauter zischende...
