Industrihhh!
Essigsauer verziehen Frankreichs Künstler das Gesicht, denken sie an Sponsoring. Dass sie oft genug beim Verkaufen helfen, sehen sie eben nicht. Aber wer finanziert wohl ihre Auslandstourneen? Das Außenministerium! Kultur ist Fortsetzung des (Handels-)Kriegs mit ästhetischen Mitteln. Die Amis boykottieren French Fries und French Wine? La Grande Nation schickt ihre Tänzer! Nicht Cancan, sondern Preljocaj und Nadj. Auch nach Japan mussten sie, als dort der Cognacabsatz einbrach. Die Wellen des Atomtests auf Muroroa waren zu glätten.
Soeben fuhr Chirac nach China um Atommeiler, Fregatten oder Schnellzüge zu verkaufen. Der Kulturminister fuhr mit. Und wunderte sich, dass man in der Heimat nur Umsätze sah, nicht das Kulturabkommen. Auf Madagaskar organisiert Paris einen Tanzwettbewerb für die afrikanische Kreation. Wer gewinnen will, muss Performanceästhetik beherrschen. Wie schnell sie das lernen! Außenpolitische Ambitionen vertragen heute kein Tutu. Diesen Irrtum machen nur noch die Russen. Will die Welt Englisch sprechen, setzt Paris seine Körpersprachen durch. Warum lädt man nur in Belgien Zwerge, Krüppel oder Greise auf die Bühne? Und in Frankreich nicht? Weil Belgien weder Wein, ...
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Birgit Keil, die seit 1997 die Akademie des Tanzes (AdT) an der Mannheimer Musikhochschule leitet, sprüht vor Enthusiasmus. «Ich freue mich jeden Tag, dass ich hierher kommen darf». Die ehemalige Starsolistin des Stuttgarter Balletts tut alles, damit in der bereits 1762 als «Académie de Danse» gegründeten Schule eine Atmosphäre herrscht wie einst beim Stuttgarter...
Dass manche Ballerinos auf der Bühne als Könige enden, ist nichts Ungewöhnliches. Dass sich Vergleichbares in der Wirklichkeit ereignet, geschieht dagegen höchst selten. Norodom Sihamoni ist so jemand. Am Prager Konservatorium als Tänzer ausgebildet, arbeitete er zuletzt als Ballettpädagoge an verschiedenen Konservatorien in Paris. Seit 1984 Präsident der...
Ich stehe im Supermarkt, an der Kasse. Die Frau vor mir hat ein blaues Auge, der Mann hinter mir riecht nach Urin. Ihm fällt sein Kleingeld auf den Boden, ich hebe es auf und gebe es ihm. Vor ein paar Tagen stand ich auch hier. Da waren zwei Männer hinter mir, mit einem Mädchen, das war vielleicht vier. Sie kauften zwei Flaschen Wodka und ein Glas Nutella, und die...
