Wein zu Blut
Prinzendorf ist ein barockes Schloss im niederösterreichischen Weinviertel, eine gute Autostunde nördlich von Wien. In den Siebzigern kaufte der Aktionskünstler Hermann Nitsch das Anwesen und veranstaltete dort mehrfach sein «Orgien Mysterien Theater»: performative Feste, bei dem ein zahlungskräftiges Publikum eine Mischung aus Theater, Kunstproduktion, Sinnstiftung und Kulinarik erleben konnte.
Bis zu Nitschs Tod 2022 gab es immer wieder solche Veranstaltungen, immer größer, immer eventhafter organisiert, auch später ließ seine Witwe Rita Nitsch das «6-Tage-Spiel» ein weiteres Mal aufführen. Jetzt plant sie, Schloss Prinzendorf zu einem Ort für Performance zu machen, was grundsätzlich eine Weiterentwicklung beinhalten dürfte – die Nitsch-Ästhetik verstand mit Blut, Transgression und viel nackter Haut zu berühren, auch als gleichzeitige Kritik am und Feier vom Wein-zu-Blut-, Brot-zu-Fleisch-Pathos des in den Siebzigern noch tonangebenden Katholizismus. Heute aber wirkt diese Ästhetik in ihrer todernsten Kunstreligiosität ein bisschen aus der Zeit gefallen, und die Durchorganisierung des «Orgien Mysterien Theaters» hatte zuletzt zunehmend etwas von Pauschaltourismus in den Exzess.
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Tanz Juli 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Falk Schreiber
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