weimar: enate graziadei, midori seiler «inside partita»
Es gibt kein Entrinnen. Der synthetische Sound umhüllt, verfolgt, summt und brummt wie ein Bienenschwarm. Und wir Beschallten im Klangraum für Violine, Tanz und Elektronik sind gefangen in einer riesigen Bienenbox mitten auf der Bühne des Radialsystems V, wo die Uraufführung von «Inside Partita» stattfindet. Es ist düster, und gefühlte Ewigkeiten kreiert die zehnkanalige Installation von Fabian Russ ein kreiselndes Rund. Geteilt sind die Waben der auf Papphockern Lauschenden durch eine Straßenkreuzung, auf der sich die Zeitkünste begegnen, attackieren, stören, ja, auch verschmelzen.
Und das Wunder geschieht: nach fast einer Stunde und einem grässlichen Erdbebenkrach siegen Bach – und Stille.
Diese Neufassung des choreografischen Konzerts «Inside Partita» setzt Bachs atemberaubend komplexe Violin-Solo-Partiten I h-Moll, II d-Moll und III E-Dur zunächst nur häppchenweise dem Hörer aus. Der Elektroniker zerstückelt sie zunächst nach Herzenslust, ordnet sie neu, spuckt sie wieder aus und erzeugt endlos schwebende Geräusche. Die Tänzerin Renate Graziadei verführt die phänomenale Barockgeigerin Midori Seiler dazu, als Performerin Raum zu nehmen, sich contact-improvisatorisch anzulehnen, ...
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Tanz August-September 2015
Rubrik: kalender, Seite 48
von Irene Sieben
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