Was macht Anne Tismer
Nora ist an allem schuld. Aber nicht in dem Sinn, wie es ihr der eigene Ehemann in Henrik Ibsens gleichnamigem Drama vorwirft – dass sie nämlich seine Ehre und die Familie zerstöre. Ganz im Gegenteil: Weil sie die Ehre der Berliner Schaubühne in der gefeierten Inszenierung von Thomas Ostermeier erheblich mehrte. Auf die Premiere 2002 folgten unzählige Einladungen in alle Welt, Anne Tismer als Titelheldin wurde Schauspielerin des Jahres.
Doch hatte der Erfolg eine erhebliche Kehrseite: Denn sie bekam keine neuen Rollen, damit sie ständig auf Tourneen fahren konnte, an denen ihr Theater gut verdiente, während sie wie eine mäßig bezahlte Handelsreisende in Sachen Nora unterwegs war.
Deshalb ist Anne Tismer «irgendwann selbst heimlich» auf der Suche nach frischen Herausforderungen losgezogen – und heimlich hat sie, für alle überraschend, 2005 bei der Choreografin Constanza Macras angeheuert, die gerade an der Schaubühne ihren Tanzabend «Big in Bombay» vorbereitete. Constanza Macras verstärkte nur die Lust auf die genreübergreifende Erweiterung ihres Ausdrucksspektrums. Fast zehn Jahre lang hatte die 1963 in Versailles geborene Anne Tismer Ballettunterricht gehabt, und auch am ...
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