Nurejew - erzähltes Leben
Was bloß soll man mit Rudolf Nureyev, dem geradezu übernatürlich begabten, dem unbestritten überragendsten Tänzer, sozusagen dem Superlativ des Balletts des 20. Jahrhunderts, anfangen? Bis heute ist sein Einfluss in Ballettschulen und Tanzkompanien weltweit zu spüren, ganz besonders in jenen beiden Häusern, in denen er das Publikum zu seinen besten Zeiten verzauberte: an Londons Covent Garden und an der Pariser Oper. Seit er 1993 im Alter von 54 Jahren an Aids starb, wird er von Tanzliebhabern schmerzlich vermisst.
Bezweifeln darf man, ob das auch für die Institutionen gilt.
Die Frage, was in aller Welt man mit Nureyev anfangen soll, haben sich die Leitungen beider Opernhäuser tausende Male gestellt angesichts seiner Eskapaden. Er sparte nicht mit Ohrfeigen, seine Wutanfälle waren legendär – einmal brach er einem Pariser Kollegen sogar den Kiefer. «Ich habe lieber mit zehn Maria Callas’ zu tun als mit einem Nure-yev», sagte schon 1962 ein anonymer Mitarbeiter von Covent Garden dem Time Magazine. Da lag Nureyevs spektakuläre Flucht in den Westen über den Flughafen Le Bourget gerade erst ein Jahr zurück. Der Vergleich mit dem berühmt stürmischen Sopran Maria Callas’ – das Zitat aus ...
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