Was ist denn Tiefe?
Aus der Tiefe des Raumes in den Raum hinein fährt eine Brücke. Die Räder sind unsichtbar. Ein paar Stufen, ein Geländer links und rechts mit leuchtendem Neon-Ornament. Diese edle, ferngesteuerte Fußgängerbrücke, man darf im Friedrichstadt-Palast gern sagen: diese Showtreppe aus der aktuellen Revueproduktion «Vivid» ist nicht dazu da, einen großen Auftritt zu ermöglichen. Den großen Auftritt hat die Brücke selbst. Das Ensemble, 27 Mitglieder der hauseigenen Balletttruppe, trottet hinter dem fahrbaren Monster her und versucht, unter ihm ein Lager aufzuschlagen.
Sie sind, was dieser Friedrichstadt-Palast noch nie hat zeigen wollen: Obdachlose. In dem Moment, als alle ihren Platz gefunden haben, setzt sich die Brücke wieder in Bewegung und raubt den Ärmsten ihren Schutz.
Kaum ein anderes Bild markiert die Lage der Hauptstadt im Jahr 30 nach der Wiedervereinigung komischer als dieses Stück Theaterarchitektur, das autonom darüber zu bestimmen scheint, wer hier ein Dach über dem Kopf hat und wer nicht. Fabian Hinrichs, der Schauspieler, Alter Ego des Autors und Regisseurs René Pollesch, lädt unter der Brücke die Tänzerinnen und Tänzer zu einem Sit-in. Ein Chorführer und sein Chor. ...
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Anfang Oktober gab Víctor Ullate bekannt, dass er seine Ballettkompanie in Madrid aus finanziellen Gründen schließen muss. Drei Jahrzehnte lang hatte der heute 72-jährige Choreograf, einst Solist in Maurice Béjarts Ballet du XXe Siècle, ein Programm zwischen Klassik, Neoklassik und spanisch getönter Moderne bestritten. Mit einer knappen Million Euro im Jahr wurde...
Für Egon ist die Sache klar. «Ich bin eine Rampensau. Ich möchte in meinem späteren Beruf auf der Bühne stehen. Nicht dahinter.»
Egon Werler, wie er mit vollem Namen heißt, ist gerade 14 geworden, eher zartgliedrig, schlank, das hellbraune Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden – und im Gespräch alles andere als das, was man sich womöglich unter einer «Rampensau»...
Caravan und Connemara! Das scheint der Arbeitsplatz zu rufen, zu versprechen, zu mahnen, zu wünschen. Ein Pappschild, an die Wand geklemmt, ein Buch auf dem Schreibtisch von Yvonne Whyte in einem der großen Büroräume von PACT Zollverein. Ansonsten sieht es hier mit Bildschirm und Papieren ganz unspektakulär nach Arbeit aus. Ohne Yvonne Whyte würde bei PACT nichts...
