Was bewegt ... Kristina Paulin

Nachgefragt

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Ihr Beruf?
Stellvertreterin des Ballettdirektors und Hauschoreografin beim Badischen Staatsballett Karlsruhe.

Ihr Temperament?
Ich bin eine sehr detailorientierte Denkerin, wenn ich kreiere. Ich kann mich stundenlang mit sehr komplexen Details beschäftigen, besonders wenn es um die Darstellung von Figuren und die Handlung geht.

Was ist das Schönste, das Sie je über sich gehört haben?
Wenn mir Tänzer*innen sagen, dass sie gerne mit mir arbeiten und meine positive Energie im Studio und beim Kreationsprozess schätzen, denn ich gebe mir immer große Mühe, eine motivierende und kooperative Atmosphäre zu schaffen und freue mich, wenn Tänzer*innen wirklich in eine Rolle hineingehen und loslassen können.

Und das Ärgerlichste?
Mir wurde schon öfter gesagt, ich sei zu ambitioniert. Das nehme ich gelassen hin, weil ich weiß, dass ich am Anfang eines kreativen Prozesses von Ideen geradezu überschwemmt werde und mehr Elemente entwickle, als sich in der zur Verfügung stehenden Zeit ausbauen lassen.

Welche Rolle spielt der Tanz in Ihrem Leben?
Tanz – insbesondere mittlerweile das Choreografieren – spielt eine große Rolle in meinem Leben. Es ist nicht nur mein Beruf, sondern meine Leidenschaft; ich widme meinem Handwerk sehr viel Zeit, weil ich es einfach liebe.

Drei Begriffe, die Sie mit Tanz verbinden?
Kunst, Körperlichkeit und Menschlichkeit.

Was kann Sie begeistern?
Meine größte Inspiration ist und bleibt die Zusammenarbeit mit den Tänzer*innen im Studio, der gemeinsame Schaffensprozess und der kreative Austausch, der ganz ohne Worte auskommt.

Was bringt Sie auf die Palme?
Ich mag es nicht, wenn Leute negative Energie ins Studio mitbringen. Das Tolle am Tanz ist, dass wir alle unsere Probleme vor der Tür lassen und etwas tun können, das wir lieben.

Wovon träumen Sie?
Ich träume oft von den nächsten Ideen, die ich gerne zum Leben erwecken möchte.

Was bringt Ihre Fantasie in Schwung?
Die Musik spielt für mich eine entscheidende Rolle dabei, die Atmosphäre des Projekts zu bestimmen; darüber hinaus lasse ich mich stark von Literatur und Kunst inspirieren.

Auf was würden Sie niemals verzichten?
Ich habe immer ein Notizbuch und meinen Computer dabei, in denen ich alle meine Ideen festhalte; das nehme ich überallhin mit.

Etwas, das Sie noch nie gemacht haben, aber gerne tun würden?
Während der Kreation von «December Rain», das ich 2024 in Estland über das Leben von Frédéric Chopin und George Sand choreografiert habe, wollte ich unbedingt Chopins Grab in Paris sowie das Kloster von Valldemossa auf Mallorca besuchen, wo er im Winter 1838/1839 mit George Sand lebte. Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit dazu, aber es steht definitiv auf meiner Bucket List.

Ihr liebster Ort?
London – ich liebe die überwältigende Fülle an Geschichte, Kunst und Theater in dieser Stadt – dort gibt es so viel Inspiration zu entdecken.

Ihre liebste Figur in der Literatur?
K aus Franz Kafkas «Das Schloss».

Ihr Motto?
Ich habe kein eigenes Motto, aber ich schließe mich gerne den Worten von Ludwig van Beethoven an: «Fahre fort, übe nicht allein die Kunst, sondern dringe auch in ihr Inneres». Da ich dies für unsere Arbeit als Künstler*innen sehr zutreffend finde, liebe ich es, das Thema, die Geschichte oder den Inhalt, mit dem ich mich gerade beschäftige, gründlich zu erforschen und tief in die Materie einzutauchen.

Kristina Paulin, 1991 in Bratislava geboren, wurde in ihrer Heimatstadt und an der Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier ausgebildet. Bis 2021 gehörte sie als Tänzerin dem Hamburg Ballett an und begann dort auch ihre choreografische Laufbahn


Tanz Juni 2026
Rubrik: Side step, Seite 24
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