Wanderzirkus

Das Festival «Temps d' Images» im Tanzhaus NRW

Temps d' images in Düsseldorf ist Teil eines Festivalzirkus, den man ausnahmsweise ganz positiv so nennen darf. Dieses Wanderfestival stellt tatsächlich die attraktivsten Sensationen aus dem Grenzbereich von Tanz und Bildender Kunst aus. Eine unserer Favoritinnen ist diesmal die in Zürich geborene Nicole Seiler.

Sie lässt die Tänzerin YoungSoon Cho Jaquet sich in einer digitalen Wasserfläche aalen, im nächsten Augenblick ist diese «Ningyo» – was auf Japanisch je nach Aussprache Meerjungfrau oder Puppe bedeutet – eine verrenkte Gliederpuppe, die aus ihrem traumhaften Ambiente befreit wirkt, als wäre sie eine an Land gesetzte Nymphe. Entfremdung pur.

Nicole Seiler ist eine der besten Puppenspielerinnen des Tanzes, eine Traumhandwerkerin, deren Stücke stets das Gefühl eines gewissen Unwohlseins freisetzen. Ihre Obsession für die belebte Unbelebtheit mündet so auch regelmäßig in erstklassiger Kunst. Ihr ähnlich tun es Ilona Pászthy, Pierre Rigal, die italienische Gruppe Orthographe und etliche andere Zauberer mehr bei Temps d' Images.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2010
Rubrik: Festival, Seite 32
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Premieren im Januar

Deutschland

Berlin

Dock 11
Clint Lutes und Bérengère Valour verwandeln in «Get a Leg up» eine Brandkatastrophe im Bazar de la Charité in Paris am Ende des 19. Jahrhunderts in eine fiktive Geschichte aus Gier, Verrat und Tod, 7. Jan.

«Parsème», Installation von Morgen Belenguer, 21.-24. Jan.

Komische Oper
Staatsballett Berlin, «Shut Up and Dance! Reloaded»,  15. Jan.

so...

Nadja Saidakova: «Egopoint»

Der Horizont scheint unendlich weit. Wie im «Lied von der Erde» von Kenneth MacMillan blaut anfangs die Bühne im Haus der Berliner Festspiele, als wollten die Tänzer das Universum ausschreiten. Doch davon kann in «Egopoint» keine Rede sein, auch wenn ein Alu-Dreieck als zentrales Objekt des Stücks dem Auge Gottes ähnelt. Nadja Saidakova strebt nur insofern höhere...

Philippe Decouflé: «Désirs» im Crazy Horse

Siehe da, plötzlich hat auch der Kulturfreund allen Grund, ins Crazy Horse zu gehen, weil dort Philippe Decouflé die Puppen tanzen lässt. Dass in ihm ein sensibler Bewunderer des weiblichen Körpers steckt, war seit Langem öffentlich. Schon seine letzte Großtat war eine Revue mit wahren Striptease-Tänzerinnen. Die aber wollte nicht recht zünden, weil er dort keine...