Vor Auschwitz versagt Strawinskys Musik
Igor Strawinsky hat uns seinen «Sacre du printemps» doppelt hinterlassen: in der originalen Orchesterfassung und in einer weniger bekannten Version für zwei Klaviere, die gelegentlich von Choreografen zum Vergleich herangezogen wurde. Auch Martin Stiefermann tut das. Aber er opfert nicht wie seine Kollegen (Uwe Scholz vielleicht ausgenommen) am Ende die eine Fassung der anderen.
Indem er beide Versionen miteinander kombiniert, schärft er die «Atombombe der neuen Musik», die durch die Zeit der Gewöhnung einiges von ihrer ursprünglichen Brisanz verloren hat – und fasst darüber den Mut, einmal einen Schritt weiterzugehen, als das an einem Theater von der Größenordnung Oldenburgs üblich ist.
Zweimal «Sacre» also. Eröffnet wird der Abend von einem «Täter», der sich allmählich aus dem Schatten seiner Geschichte löst. Er bleibt nicht lang allein. Aus dem Dunkel treten anonyme Gestalten, die sich in nichts voneinander unterscheiden – es sei denn durch ein Bewegungskonzept, das Aufschluss geben soll über ihre individuellen Beweggründe. Stiefermann hat für jeden Einzelnen ein gestisches Vokabular entwickelt, das geradezu aggressiv aussagekräftig ist: ein monomanisches Choreogramm sozusagen, ...
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