Vollkommen unvollkommen
Ich habe das Glück, ein ziemlich kleiner Mensch zu sein. Meine Hosen kaufe ich in der Kinderabteilung – viel günstiger, zumal keine zusätzlichen Kosten beim Kürzen der Hosenbeine anfallen. In den Garderoben ist zumeist ein Spiegel. Mehr nicht. Ich bin 45 Jahre alt. Hosen aus der Kinderabteilung sind ok – zumal es sogar dort noch Hosen ohne Risse und Löcher zu kaufen gibt. Oberteile mag ich aber doch lieber in einer Damenoberbekleidungs-Abteilung suchen, gerne auch mal, wenn‘s der Geldbeutel zulässt, in einer kleinen Boutique.
Ich gebe zu, dass ich beim Kauf von Oberteilen immer wieder der Eitelkeit erlegen bin, ein paar einfache Ports de bras zu machen, um zu sehen, wie der Stoff in Bewegung so fällt. Irgendwann gab es in einem netten kleinen Laden dieses erste Mal: Die dortige 3D-Vielfachverspiegelung in der mit Pink-Plüsch-Sessel ausgestatteten Garderobe zeigte mir mit einer fast boshaft anmutenden Selbstgefälligkeit die ersten Spuren der Unvollkommenheit meines Körpers. Zwischen Delta-Muskel, Schulterblatt und Schlüsselbein, wo einst sanft definierte Linien von Muskel und Sehnen ein harmonisches Bewegungsspiel erscheinen ließen, – nun drei bis vier kleine Fleischröllchen. «Au ...
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Tanz Juli 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Nina Kurzeja
Es war Zufall, dass ich bei dieser Geburt einer Tanzkompanie direkt neben der Mutter von Richard Siegal zu sitzen kam. Ihre Nervosität wurde so auch meine, als sie sagte, es sei überaus riskant, eine freie Gruppe in München zu gründen, in einem System, das – staatlich finanziert – doch ganz sicher die etablierte Konkurrenz bevorzugen wird. Und dann erzählte die...
Ihr jüngstes Werk nennt sie ein «Bacchanal – Vorspiel zur Katharsis» – ein Titel, der an das legendäre dionysische Fest der alten Griechen erinnert, dem eine reinigende, also kathartische Wirkung aus wildem Tanz, wildem Wein und wilder Ekstase zugeschrieben wurde. Katholisch verbrämt findet sich dieses Fest heute in Ansätzen noch in der Altstadt von Salvador de...
Obwohl Belgien ein kleines Land ist, kann man es nachts sogar aus dem Weltraum erkennen: Die Autobahnen sind beleuchtet, das gibt es sonst nirgends auf der Welt. Zu den Eigenheiten des dicht besiedelten Elf-Millionen-Einwohner-Staats zählt vor allem auch die extrem disparate Bevölkerungsstruktur. Im nördlichen Teil, Flandern, wird flämisch gesprochen; im südlichen...
