vladimir malakhov, warum tanzen tiere?
Vladimir Malakhov
Sie haben gestern Abend Jerome Robbins’ «Faun» getanzt. Was für ein Faun ist das für Sie? Der Faun von Robbins ist ein Mensch mit sexuellem Begehren. Der von Nijinsky, den ich später choreografieren will, ist sehr viel tierischer. Die Bewegungen von Robbins folgen eher menschlich dem Wunsch nach der Frau, die Bewegungen von Nijinsky mehr dem Instinkt oder dem Trieb eines Tiers. Ich finde das interessant. Der Mensch ist ruhiger, neigt zum Abstrakten, er versteckt das Begehren.
Weil das sexuelle Begehren oft selbst als tierisch bezeichnet wird? Natürlich, und wenn man das philosophisch betrachtet, enthält auch Robbins’ Faun etwas Animalisches. Denn die getanzten Posen kommen vom Tierischen, alles kommt vom Tierischen, weil wir davon abstammen.
Ballett erscheint als das Gegenteil des Tierischen, auch wenn es «Schwanensee» oder «Feuervogel» heißt. Ich weiß nicht, aufgrund welchen Konzepts die Tiere ins Ballett geraten sind. Warum sind das alles Vögel? Ich persönlich mag auch andere Tiere, alle Tiere, die ganze Fauna. Ich liebe den körperlichen Kontakt zu Tieren, sie machen mir keine Angst. Aber im Ballett hat man Angst vor dem Bösen. Tierisches Verhalten kann schlecht ...
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