vladimir malakhov, warum tanzen tiere?

Fragen an Vladimir Malakhov, Intendant des Berliner Staatsballetts, gestellt von Arnd Wesemann

Tanz - Logo

Vladimir Malakhov
Sie haben gestern Abend Jerome Robbins’ «Faun» getanzt. Was für ein Faun ist das für Sie? Der Faun von Robbins ist ein Mensch mit sexuellem Begehren. Der von Nijinsky, den ich später choreografieren will, ist sehr viel tierischer. Die Bewegungen von Robbins folgen eher menschlich dem Wunsch nach der Frau, die Bewegungen von Nijinsky mehr dem Instinkt oder dem Trieb eines Tiers. Ich finde das interessant. Der Mensch ist ruhiger, neigt zum Abstrakten, er versteckt das Begehren.



Weil das sexuelle Begehren oft selbst als tierisch bezeichnet wird? Natürlich, und wenn man das philosophisch betrachtet, enthält auch Robbins’ Faun etwas Animalisches. Denn die getanzten Posen kommen vom Tierischen, alles kommt vom Tierischen, weil wir davon abstammen.

Ballett erscheint als das Gegenteil des Tierischen, auch wenn es «Schwanensee» oder «Feuervogel» heißt. Ich weiß nicht, aufgrund welchen Konzepts die Tiere ins Ballett geraten sind. Warum sind das alles Vögel? Ich persönlich mag auch andere Tiere, alle Tiere, die ganze Fauna. Ich liebe den körperlichen Kontakt zu Tieren, sie machen mir keine Angst. Aber im Ballett hat man Angst vor dem Bösen. Tierisches Verhalten kann schlecht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2008
Rubrik: Das Tier in dir, Seite 12
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
hagoromo in horgen

Als der Zürcher Aushilfs-Buchhalter und Hobby-Schwanenforscher Hugo F. Hunziker am 5. September 1973 im Park des Museums Rietberg in einer Freilichtaufführung Manzaburo Umewaka III und dessen Japan-Nô-Troupe mit ihrem berühmten und meistgespielten Nô-Stück «Hagoromo» (Das Federkleid) sah, notierte er sich am Rand seines zunehmend zerknitterten Programmzettels...

Grace Ellen Barkey: «The Porcelain Project»

Es gibt Tänzer, die sind Schauspieler, zerkauen schmatzend die Sprache: «I am the King with one leg on the ground, my other leg is floating towards the planet earth.» Eine gefühlte Stunde später rammt eine Ballerina, Tijen Lawton, ihren vertikalen Spagat so gestreckt in den Himmel und damit tief in die Erde, auf so spitzer Spitze, zeigt dazu mit dem freien Finger...

Jenseits

The Animal Theatre Manifesto

By Wayn Traub

1. The animal is the beginning and end of animal theatre. It is both the source and the aim.

2. Animal theatre is born of a deep desire, the cry of the animal in each of us (animus). The creator transforms this desire into action (animer) and if his performance is successful, the animal in man is aroused (animal). Theatre...