vertikal
Genau besehen, gilt im Ballett nur eine Richtung: nach vorn, im Idealfall mit der Illusion einer Kunstpause ganz oben. Der vergötterte Nurejew erweckte im Grand Jeté den Eindruck, in der Luft zu verharren. Stillstand als Gipfel der Perfektion! Schon das Übereinanderschlagen der Fußknöchel zur Batterie wirkt dagegen nie, als würde die Schwerkraft wirklich auf die Probe gestellt. Das Tor zum Himmel wird nur selten aufgestoßen. Hüpfer, Sprünge und Vertikalität im Tanz waren seit Ludwig XIV. allein Gott und dem Kosmos gewidmet.
Der zeitgenössische Tanz, so dachten wir, ist da wesentlich freier, hat er doch dem Kampf um die Lufthoheit von Anfang an abgeschworen. Hier darf es seitwärts oder rückwärts gehen, wenn nicht gar im Zickzack, wenn nicht gar in die Anti-Ballett-Richtung schlechthin: nach unten! Ausnahmen bilden gewisse Perioden des Schaffens von Anne Teresa De Keersmaeker oder William Forsythe, die wiederum dem Ballett nahe stehen. Ansonsten wird entweder waagerecht in Bodennähe gehechtet wie bei Wim Vandekeybus, oder man hoppelt auf der Stelle, wie im Extrembeispiel «Les Sisyphe X 10» von Julie Nioche, einer Dauerhüpf-Performance für jugendliche Amateure. Die ...
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Tanz Januar 2014
Rubrik: praxis, Seite 68
von Thomas Hahn
Auch bei der Wiederaufnahme seines 1982 uraufgeführten «Tutuguri: Ritus der schwarzen Sonne» tanzte Moses Pendleton den Titelpart, das Alter Ego von Antonin Artaud, auf dessen Texte sich das Stück bezog. Fürs Ballett der Deutschen Oper Berlin wurde jene Zweitbegegnung 1995 ein Erfolg, für Pendleton, 1949 als Farmersohn geboren und Absolvent eines ...
In Bayern hat, wenn man so will, alles einen doppelten Boden. Oder zumindest viel Interpretationsspielraum. So gehört es offiziell zu den Aufgaben des Kunstministers, den Intendanten eines staatlichen Theaters und den Direktor einer staatlichen Kunstsparte zu bestallen. Wolfgang Heubisch hatte, relativ neu im Amt, den Vertrag Ivan Liškas als Direktor des...
David Bintley übernahm 2010 die künstlerische Verantwortung für das Japanische Nationalballett, blieb aber Leiter des Birmingham Royal Ballet – strapaziöse Doppelbelastung. Dennoch ist er als erster ausländischer Chefchoreograf in Tokio überaus erfolgreich, nachdem er schon 2008 mit «Aladdin» und danach mit «Erzählungen aus 1001 Nacht» reüssiert hatte.
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