Ursprung der Welt

Am Anfang war die Scham: Auf einen Tanz-Streifzug entlang eines ambivalenten Gefühls

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Eine Explosion im Solarplexus. Hitze im ganzen Körper. Die Achselhöhlen schweißnass. Das Herz pocht heftig. Kloß im Kehlkopf. Ein Glühen kriecht den Hals hoch ins Gesicht. Der Blick senkt sich. Der Oberkörper sackt zusammen. Man möchte verschwinden, unsichtbar werden. Es ist schrecklich, eine Vernichtung. Es ist: Scham.

Scham erfasst den ganzen Körper, und der Körper ist nicht selten auch die Quelle von Scham – seine Geräusche, Gerüche, Gestalt.

Ein Pups, ein Rülpser, Schluckauf im falschen Kontext? Peinlich! Mundgeruch, Schweißfahne, Klamottenmuff und Käsefüße in sozialer Interaktion? Auch nicht vornehm. Und die ewigen Qualfragen: «Bin ich schön genug? Schlank genug? Muskulös genug?» Perfektionismus – der ideale Nährboden für Scham.

«Es war gegen Ende meiner Tänzerinnenkarriere», erzählt Louise Bennett, heute Ballettmeisterin beim Ballett am Rhein, früher Tänzerin unter anderem beim Königlich Schwedischen Ballett, Norwegischen Nationalballett und English National Ballet. «Mein Körper veränderte sich stark, ich hatte mit diversen Verletzungen zu kämpfen und war nicht gerade in athletischer Bestform. Aber das Stück sah vor, dass wir knappe BH-Tops und winzige Shorts anziehen. Ich ...

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Tanz Februar 2022
Rubrik: Ideen, Seite 46
von Nicole Strecker

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