Wayne McGregor «The Dante Project»
Nach der Uraufführung im Oktober 2021 blieb das Echo verhalten, obwohl Choreograf, Kompanie und Gegenstand zu den absoluten Hochkarätern zählen. Zwei Monate später erklärt der gestreamte Anblick des zweistündigen «Dante Project» aus London die Funkstille. Denn Wayne McGregors Divina-Commedia-Verschnitt erinnert im Endeffekt an ein Märchen namens «Des Kaisers neue Kleider». Der Choreograf hat keine Verrenkung gescheut, um das Royal Ballet durch Dantes Epos zu schleusen.
Umso ernüchternder der Befund: Hier wird mit viel Bewegungslametta, reichlich Orchester-Orgelei und Kulissenzauber – wofür Thomas Adès und Tacita Dean verantwortlich zeichnen – verdeckt, dass McGregors Fantasie einfach nicht gezündet hat. Deshalb wird sein «Dante Project» irgendwann nur noch als DVD-Gespenst weiterspuken dürfen. Traurig ist, dass sich der große Edward Watson mit der ästhetisch mickrig geratenen Dante-Partie von der Bühne verabschiedet hat. Tröstlich dagegen, dass auch ein Edelkalligraph wie Wayne McGregor offenbar tüchtig daneben langen kann.
www.roh.org.uk
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Tanz Februar 2022
Rubrik: Kalender, Seite 34
von Dorion Weickmann
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