Wayne McGregor «The Dante Project»
Nach der Uraufführung im Oktober 2021 blieb das Echo verhalten, obwohl Choreograf, Kompanie und Gegenstand zu den absoluten Hochkarätern zählen. Zwei Monate später erklärt der gestreamte Anblick des zweistündigen «Dante Project» aus London die Funkstille. Denn Wayne McGregors Divina-Commedia-Verschnitt erinnert im Endeffekt an ein Märchen namens «Des Kaisers neue Kleider». Der Choreograf hat keine Verrenkung gescheut, um das Royal Ballet durch Dantes Epos zu schleusen.
Umso ernüchternder der Befund: Hier wird mit viel Bewegungslametta, reichlich Orchester-Orgelei und Kulissenzauber – wofür Thomas Adès und Tacita Dean verantwortlich zeichnen – verdeckt, dass McGregors Fantasie einfach nicht gezündet hat. Deshalb wird sein «Dante Project» irgendwann nur noch als DVD-Gespenst weiterspuken dürfen. Traurig ist, dass sich der große Edward Watson mit der ästhetisch mickrig geratenen Dante-Partie von der Bühne verabschiedet hat. Tröstlich dagegen, dass auch ein Edelkalligraph wie Wayne McGregor offenbar tüchtig daneben langen kann.
www.roh.org.uk
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2022
Rubrik: Kalender, Seite 34
von Dorion Weickmann
Auditions
The Finnish National Ballet, Helsinki
is looking for experienced female and male dancers and for dancers to the Youth Company (age 18 to 22)
Auditions (by invitation only): 20 March in Amsterdam
Application deadline: 5 February www.oopperabaletti.fi/en/audition
The ballet company of the Tyrolean State Theatre Innsbruck, Austria
is looking for dancers...
Es ist eine Interimslösung der besonderen Art: Die Kongresshalle des ehemaligen Nürnberger Reichsparteitagsgeländes wird für einige Jahre zum Spielort und zur Arbeitsstätte für die Beschäftigten des Staatstheaters Nürnberg. Denn das marode, im Jahr 1905 eröffnete Opernhaus am Richard-Wagner-Platz muss generalsaniert werden. Die Kombination aus Interim und...
Hinter dem romantischen Titel verbirgt sich ein amerikanisches Programm, für das der Wiener Ballettdirektor Martin Schläpfer zum ersten Mal Lucinda Childs an die Staatsoper holte, eine Ikone des Postmodern Dance. Ihr kurzes, hochtouriges «Concerto» von 1993 ändert zu Musik von Henryk Górecki kaum die Schritte, aber ständig deren Richtung. Streng und klar dreht sich...
