Urs Dietrich: «Voice»

Bremen: Urs Dietrich: «Voice»

Tanz - Logo

Sie ist die schrillste Stimme mechanischer Kommunikation. Eine Trillerpfeife eröffnet Urs Dietrichs neue Choreografie am Bremer Tanztheater. Die Akteure tasten sich auf der Schwelle zwischen privatem Körper und Kunstgestalt in Rollen und Identitäten, lauschen still in sich hinein. Horchen an lautsprecherähnlichen Kästen an der Wand.

Ein Rednerpult suggeriert Ansprache, ein Duett zeigt einen Dialog der Geschlechter als Machterkundung.

Welche Stimme erreicht die Tänzer? Welcher Klang spricht in ihnen selbst? Welche Signale senden sie an das Publikum? Welche Sprache spricht der Körper zwischen individueller Disposition und formalem Kanon?

«Voice» heißt das jüngste Stück des Bremer Tanztheater-Chefs. Ein fesselnd vielschichtiges Werk mit kunstvoll verschliffenen Szenen, in denen Grundmotive über Stimmungsfelder wandern und sich in surrealen Episoden auffächern. Die Trillerpfeife ist Leitmotiv und Leidmelodie. Zu ihrem Klang werden geschäftige Vertreter einer uniformen Business-Community auf der Sackkarre von Funktionsstelle zu Funktionsstelle geschoben und in den Dienstpuls getaktet.

Ihr schneidender Ton setzt Körper in Bewegung, die die Gesundheitsfunktionäre in Kitteln ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2008
Rubrik: Der Kalender, Seite 42
von Rainer Beßling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Minako Seki

Minako Seki, a 3rd generation Butoh dancer from Nagasaki, Japan, danced in Tokyo with Dance Love Machine and came to Berlin in 1986 on invitation of the Künstlerhaus Bethanien. She stayed and in 1987 co-founded tatoeba – Theatre Danse Grotesque, the first Japanese-German Butoh-Ensemble. Since then she has created 55 productions as dancer, choreographer and...

Rauschende Feste

Euripides, der alte Grieche, schrieb um 406 vor Christus die «Bakchen» – ein Stück, in dem er ein für alle Mal mit dem Tanzen abrechnete. Die Bakchen sind bei ihm Anhängerinnen des sogenannten Dionysos-Kults. Alle drei Jahre verlassen sie ihr Dorf in Thrakien und gehen in die Wälder, um dort zum Tier zu werden. Sie tanzen sich in Ekstase und glauben an einen Gott...

Die Premieren

Daniela Kurz lässt sich auf keinen Kompromiss ein. Am Ende ihrer zehnten Spielzeit am Staatstheater Nürnberg macht sie Schluss mit dem Tanztheater – am 17. Mai unter dem Titel «Nächster Halt: Freiheit», eine Recherche, die sich mit der politischen Dimension der Kunst auseinandersetzt. Schon im Vorfeld waren die Bürger der Stadt gefragt. Während des Arbeitsprozesses...