Unerwünscht
Wer sind diese rastalockigen Nomaden in ihren dicken Rüstungen aus Federn und Fell, die zwischen Explosionen und Nebelschwaden in tiefer Nacht tanzen? Der wild zuckende Stamm hat etwas Archaisches und Mystisches, erinnert an den Endzeitfilm «Mad Max» und an andere apokalyptische Science Fiction. Eine hochgewachsene, grimmige Kriegerin führt die wandernde Gemeinschaft an, deren Gesichter man im Düstern kaum erkennt.
Vor wem fliehen sie, gegen wen kämpfen sie? «Until We Sleep», der zweite Abendfüller von Botis Seva, bleibt auch ganz wörtlich in jenem vernebelten Dunkel, aus dem Hofesh Shechter seine Großstadtrebellen auftauchen lässt oder Marco Goecke seine Alpträume.
Wie einige Choreografen der jungen Generation ist Botis Seva ein Migrantenkind – seine Eltern stammen aus Zentralafrika. Unter dem zielsicheren Namen Far From The Norm gründete er 2009 in der Londoner Arbeitervorstadt Dagenham seine eigene Hip-Hop-Compagnie, der musikverrückte Schulabbrecher war damals gerade 19 Jahre alt. Nach viel Basisarbeit kam der große Erfolg 2021 mit dem mehrfach ausgezeichneten «BLKDOG», benannt nach dem «schwarzen Hund», einem englischen Euphemismus für Depressionen. In bedrückenden Bildern ...
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Tanz August/September 2025
Rubrik: Produktionen, Seite 4
von Angela Reinhardt
Das Publikum ist seit Corona mit seinen Reaktionen kein Gradmesser mehr für künstlerischen Erfolg – keine Vorstellung kommt mittlerweile ohne enthusiastische Standing Ovations aus. Das ist beim Doppelabend «Vice Versa» an der Semperoper Dresden nicht anders. Dabei ist Sidi Larbi Cherkaouis «Noetic» (2014) denkbar emotionsarm: Mittels langer, flacher...
Lyon
BIENNALE
Er ist einer der Senkrechtstarter auf dem internationalen Parkett, bei der (wie immer großartig bestückten) «Biennale de la Danse» in und um Lyon begnügt er sich zunächst mit einer halbstündigen «Fantasie minor»: Marco da Silva Ferreira und die Tänzer*innen des CCN von Caen locken mit Schubert ins Freie. Sodann dreht der Choreograf richtig auf und...
Es kann auch besser laufen als in Hamburg (S. 52): Seit Anfang der Spielzeit dirigieren Bridget Breiner und Raphaël Coumes-Marquet (tanz 12/23) das Ballett am Rhein, dessen Auftritte sich auf die Opernhäuser in Düsseldorf und Duisburg verteilen. Die Zuständigkeiten sind klar geregelt: Sie amtiert als Chefchoreografin und sorgt fürs künstlerische Profil, er ist der...
