Sidi Larbi Cherkaoui, Imre und Marne van Opstal «Vice Versa»
Das Publikum ist seit Corona mit seinen Reaktionen kein Gradmesser mehr für künstlerischen Erfolg – keine Vorstellung kommt mittlerweile ohne enthusiastische Standing Ovations aus. Das ist beim Doppelabend «Vice Versa» an der Semperoper Dresden nicht anders. Dabei ist Sidi Larbi Cherkaouis «Noetic» (2014) denkbar emotionsarm: Mittels langer, flacher Kunststoffstreifen wird der Raum vermessen, erst zweidimensional, dann in Bögen, Ringen, schließlich mit einer Kugel.
Dazu gibt es mechanische Bewegungen in einem cleanen, weißen Setting, während die dunklen Kostüme von Les Hommes das Ensemble zu Bausteinen machen. Um Raum und Zeit geht es, um das Verstehen der Dinge, ein Gesangspart sorgt mit lateinischen Passagen von Platon und Horaz für intellektuellen Überbau. Sichtbar wird die Schönheit der Mathematik, mit mechanischen, eckigen, maschinellen Bewegungen.
Emotionaler, aber genauso zurückhaltend widmen sich Imre und Marne van Opstal in ihrer Uraufführung «November» dem Wind. Als zentrales Element auf der Bühne hat Boris Acket ein riesiges, sanft fließendes Gewebe installiert: der November als Herbstmonat, ungemütlich, düster. Daraus schöpfen die van Opstals Stille und setzen das ...
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Tanz August/September 2025
Rubrik: Kalender, Seite 37
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