Ulm: Roberto Scafati «La Sinfonia», Gustavo Ramírez Sansano «2 and 1 for Mr. B», «El Beso»
Wieder am 20., 22., 23. Juni in Ulm. www.theater-ulm.de
«La Sinfonia del Beso», «Die Sinfonie des Kusses» lautet der Obertitel des Abends, der die programmatisch im Grunde nicht vereinbaren Extreme einer elegisch-politischen Totenklage mit einem jener Rausschmeißerballette verbindet, die mit fröhlichen Pointen den Übermut des Tanzes feiern. Dass dazwischen eine Hommage an Mr. B steht, die mit Balanchine so gar nichts zu tun hat, macht die Kombination nicht glücklicher.
Henryk Góreckis dritte Sinfonie, die «Sinfonie der Klagelieder», ist eine der ikonischen Trauermusiken der letzten Jahrzehnte, ergreifend in ihren Sopranklagen, aber mit Tendenz zum Pathos. Der Ulmer Tanzchef Roberto Scafati deutet sie zu einem Ballett über das Loslassen und die Zurückgebliebenen. Sie sehen wir in Gestalt der Sängerin Maria Rosendorfsky, die als schmerzvolle Mutter Trauerzüge anführt und als Marienfigur über den Verzweifelten schwebt. Die Bühne ist eine Blackbox: hohe Wände statt Seitengassen, der Boden zunächst tief im Keller, dann hebt er sich hinten zu einer steilen Schräge, an der die Gefangenen, Flüchtlinge, Verängstigten sich abarbeiten, immer wieder scheitern oder, ein heftiges Bild, sich in einem selbst gewählten Abschied in den Abgrund fallen ...
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