Üben
Will ich in Tokio Unterricht nehmen in japanischem Bogenschießen, kann ich nicht einfach in ein Studio gehen und loslegen. Ich benötige einen japanischen Bürgen, der für mich spricht, ein gutes Wort einlegt. Nur so erhalte ich die Einladung zu einer Probestunde, die darin besteht, dass ich – im Beisein des Bürgen – den Übenden zuschauen darf.
Zweieinhalb Stunden verharre ich mit untergeschlagenen Beinen und geradem Rücken in einer Ecke des Studios, nein eher eines Tempels. Keine Ahnung, ob das als respektvolle Haltung aufgefasst wird oder als typische Macke eines Westlers.
Die Schützen sind alle tipptopp gekleidet, in ein kompliziert verschnürtes und penibel gefaltetes Kimonopaket, an den Füßen blütenweiße Schläppchen, die dem großen Zeh ein Extrafach bieten. Trotz allem ernsthaftem Zelebrieren ist die Atmosphäre entspannt, gelegentlich wird sogar gelacht, gescherzt? Scheinbar erst gegen Ende der Stunde nimmt der Meister Notiz von mir: Ich darf am nächsten Tag wiederkommen, allein.
Am nächsten Tag das gleiche Prozedere. Ich sitze aufmerksam in meiner Ecke, übe mich in Geduld. Darum geht es doch wohl, oder? Zwei weitere Tage vergehen, bis der Meister mich plötzlich erstmals direkt ...
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Nichts wiederholt sich, nie, schon gar nicht auf einer Bühne. Sollten deren Bretter tatsächlich «die Welt bedeuten», dann wohl genau aus diesem Grund. Es sind Bretter, die erlauben, dass hier real Raum und Zeit geschaffen wird für reale Körper und Aktionen, die nur in der Realität nicht existieren können. Oder, wie sich mit Gilles Deleuze sagen lässt, dort nicht...
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