Trugbilder
Es ist ein Festival der Special Effects: Körper glitzern, schillern und funkeln. Fahles, rötliches Licht wird immer intensiver und zugleich abstrakter. Eine Spirale erhebt sich über dem Haupt eines sitzenden Wesens, das elektrisch aufgeladen zu sein scheint. Von der Decke rieselt Glitter, der die nackten Körper eindeckt. Nebelschwaden ziehen eine Art Düne herab und verbreiten ein Gefühl polarer Kälte, wo kurz zuvor eine Community in der Wüste umherirrte und sich eines Brunnens erinnerte, der sie einst mit Wasser versorgte.
Nach «Vessel» und «Planet [wanderer]» (tanz 12/21) ist «Mirage» die dritte Zusammenarbeit für die Bühne von Damien Jalet und Kohei Nawa, dem japanischen Star der aktuellen Kunstszene. Und die vierte insgesamt, wenn man den Film «Mist», entstanden mit Tänzer*innen des NDT, dazuzählt (tanz 2/22, jb/22). So sind die beiden ein perfekt eingespieltes Team, zu dem auch die Beleuchterin Yukiko Yoshimoto gehört, die entscheidend Anteil am Gelingen mehrerer verblüffender Szenen hat. Nawa ist ein Tüftler, in dessen Arbeit und Erfindungen die Schwerkraft eine zentrale Rolle spielt. In Paris ließ er 2018 einen zehn Meter hohen, goldenen und vor Ornamenten nur so strotzenden ...
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Tanz 2025
Rubrik: Hinter den Kulissen, Seite 54
von Thomas Hahn
MANUEL LIÑÁN
Mutter und Sohn spazieren durch Grenada: «Ich weiß noch, wie Du Dir das Tuch umgelegt hast als wären es lange Haare.» Der Vater kommt? Schnell weg damit! «Ich habe von klein auf gelernt, dass Männer und Frauen sich unterschiedlich bewegen», sagt Manuel Liñán, einer der berühmtesten Tänzer Spaniens und eine Ikone (nicht nur) der queeren Szene. Denn er...
«figures in extinction»
Simon McBurney und Crystal Pite haben fürs Nederlands Dans Theater und Complicité den Dreiteiler «Figures in Extinction» entworfen. Wir waren bei der Uraufführung des Gesamtwerks in Manchester dabei. Und haben anlässlich des Gastspiels im Juli in Berlin ein Interview mit Pite geführt.
cesar corrales
Er startete seine Karriere als «Billy...
Schon erstaunlich. Das Publikum im Wiener Opernhaus erhebt sich und applaudiert, minutenlang. Die Tänzer*innen wirken gelöst, ebenso der Choreograf. Vermutlich hat niemand damit gerechnet, dass der Schlussakkord zu einer veritablen Umarmung wird. Zu einem Tribut an Martin Schläpfer, der 2020 die Leitung des Wiener Staatsballetts übernahm – mitten in der Pandemie....
