Trauer und Hoffnung
«Solitude», Alexei Ratmanskys jüngste Premiere am New York City Ballet, ist eine anrührende, innovative und dezente Schilderung von gemeinschaftlicher Trauer, gewidmet «den Kindern der Ukraine, den Kriegsopfern». Doch die Story handelt eher von Eltern, die ihre Kinder verloren haben – und von der Hoffung, die mit der Trauer einhergeht. Das Stück verwandelt unerträglichen Kummer in eloquentes Ballett. Ich hatte das Glück, es zweimal sehen zu können.
Engel der Barmherzigkeit
Am Anfang kniet ein Mann am seitlichen Bühnenrand, neben ihm liegt ein kleiner Junge, reglos beide. Von der gegenüberliegenden Seite betreten Tänzer*innen in Zweier- und Dreiergruppen den Raum. Ihre Choreografie imitiert in Teilen die Kanonform, die Gustav Mahlers feierlich-gemessenem Trauermarsch im dritten Satz seiner Ersten Symphonie zugrundeliegt. Das Ziehen, Strecken und Falten der Gliedmaßen verleiht dem Partnering ein Element des Widerstands. Jede einzelne Frau nimmt die Pose einer Attitude ein und spreizt dabei die Ellenbogen rückwärts ab wie gebrochene Flügel. So entsteht ein schreitendes Gewirk aus spitzen Winkeln, das sich auf Vater und Sohn zubewegt. Sara Mearns, den Engel der Barmherzigkeit ...
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Tanz April 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Wendy Perron
Vor dem Fenster streckt sich ein riesiger Baum, der Thomas Mikas zartgrau gehaltenem Bühnenraum Leben einhaucht – und zugleich wie eine Reminiszenz wirkt, eine Verbeugung vor den großen Regisseuren, die das Kino der 1940er-, 1950er-Jahre zum Blühen brachten. Männer (ja, es waren ausnahmslos Männer) wie Douglas Sirk, wie Elia Kazan, der 1951 Tennessee Williams’...
«Mysterious Heart» von Tânia Carvalho und «Pink Fraud» von Lander Patrick, beide in Uraufführung, sind die Frucht zweimonatiger Residenzen. Die im Kollektivtitel «Força» verhießene Kraft liefern die 48-jährige Portugiesin und ihr 35-jähriger Schüler brasilianischer Herkunft in 55 und in 35 Minuten mühelos, das 22-köpfige Ensemble teilen sie sich elf zu elf....
Immer stärker erweitert sich das Tätigkeitsfeld von «Tanz und Kunst Königsfelden», dem von Brigitta Luisa Merki aufgebauten Zentrum in Baden bei Zürich. Seit letztem Jahr wird es von Filipe Portugal geleitet, der neben den Residenzen für Choreografen, der Produktion ihrer Uraufführungen und der Education-Arbeit mit Kindern ein neues Angebot etablieren will: Ab dem...
