Transparenz
Dagmar Birke, Sie sind Coach und werden gerufen, wenn Systeme entgleisen, Konflikte sich nicht mehr unter den Tisch kehren lassen. Was ist bis dahin passiert?
Meistens werde ich sehr spät kontaktiert, denn egal ob im Theater oder in der Industrie – es gibt immer sehr viele Strategien, die wir in Anschlag bringen, die wir kennen und das geht bis zu «…war da was?» Bis es eben nicht mehr geht. Dann wird der «Notruf» abgesetzt. Weil Systeme blockieren oder geräuschvoll aufeinandertreffen.
«Systeme» klingt so theoretisch – im Klartext: Menschen, Teams, die gut zusammenarbeiten müssten, fehlt die Kommunikation. Weil Menschen, die sich nicht mehr wohl fühlen, auch nicht mehr miteinander reden. Dann schwelt der Konflikt. Er wird wie die berühmte Leiche im Keller mitgeschleppt. Wenn ich in den letzten Jahren gerufen wurde, hatte es immer damit zu tun, dass durch irgendein Ereignis von außen die bis dato aufgelaufenen Konflikte aufbrachen. In dem Moment versagen bisher angewandte Techniken. Dann braucht man jemanden von außen. Das war früher anders …
… inwiefern?
Weil in Führungspositionen Menschen saßen, die damit umgehen konnten. Nicht alle natürlich. Aber heutzutage – warum auch immer, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: Macht, Seite 42
von Dagmar Birke und Claudia Henne
«Der Sturm» ist Shakespeares letztes Werk. Damit verabschiedete sich der große Dichter, gänzlich abgeklärt, von der Bühne. «I‘ll break my staff», lässt er sein mutmaßliches Alter Ego Prospero am Ende resigniert sagen, wenn der seinen Zauberstab zerbricht. Der Magier verzeiht seinen Feinden, befriedet die Welt, dann wählt er den «exit above» – so die Regieanweisung...
Kürzungen allenthalben, bis hin zur Opéra in Paris. Aber Protestwellen, gar Streiks? Nicht in Sicht
Lange hatte man in Paris geglaubt, das Schlimmste dieses olympischen Kultursommers sei die Anbiederung nahezu sämtlicher Theater an das überbordende Narrativ der athletischen Glückseligkeit. Nebenbei hatte man sich auf wirre Debatten über Sinn oder Unsinn, Nutzen...
In ihrem dreibändigen Buch «Geschichte und Eigensinn» befassen sich Oskar Negt und Alexander Kluge mit der geschichtlichen Organisation von Arbeitsvermögen. Geschichtsprozesse, so eine der zentralen Thesen, sind ohne «Eigensinn» nicht zu verstehen. Und so hat das Autoren-Duo «Eigensinn» zum Kernbegriff seines Werkes gemacht. Er wird mehrfach bestimmt: als Ergebnis...
