Tim Etchells, Vlatka Horvat «Go with Your Heart»
Fünfzehn Individualist*innen betreten die Bühne, in Jogginghosen, Röcken, Jacken, Shirts. Ein paar tragen Söckchen, manche sind barfuß. Spitzenschuhe trägt niemand (Kostüme: Laura Hopkins). Diese heterogene Bekleidung ist symptomatisch für den Tanzabend des postdramatischen Theaterregisseurs Tim Etchells und der Bildenden Künstlerin Vlatka Horvat: Es geht nicht darum, die Tänzer*innen in eine Form zu pressen, schon gar nicht in die der Tanzkonvention, es geht um freie Bewegung, «Geh, wohin dein Herz dich trägt.» In gewissen Grenzen.
Diese Grenzen werden vorgegeben: von der Komposition (ebenfalls Etchells), von den Rändern der Bühne. Es gibt einen Rhythmus, der die Bewegungen strukturiert, es gibt einen weißen Tanzboden, der nicht verlassen werden soll, Vorhänge, die die Bühne rahmen, Lichtstimmungen (Nigel Edwards), die das Bühnengeschehen strukturieren. Und außerdem gibt es die anderen Tänzer*innen, denen man nicht ins Gehege kommen darf. Ausnahmen: Manchmal durchbricht doch jemand die Abgrenzungen, das ist dann geduldetes Regelüberschreiten. Manchmal steht doch jemand im Weg, dann wird ausgewichen, im Extremfall rasselt man ineinander. Sollte nicht passieren, passiert aber ...
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Tanz Mai 2025
Rubrik: Kalender, Seite 47
von Falk Schreiber
CD des Monats
SATIE PLANÈS
Da haben sich zwei gefunden. Wie Erik Satie komponiert Alain Planès sozusagen von Kindesbeinen an, und er malt auf seine ganz eigene Art, wie das Cover des Booklets beweist. Dass er die klangliche Aura des Genies ausgerechnet auf einem originalen Pleyel-Piano zu beschwören sucht, hätte dem durchaus spiritistisch interessierten «Maître...
2017 hatte Donald Trump gerade seinen Wahlkampf um die US-Präsidentschaft erfolgreich zu Ende geführt, als John Neumeier sein abendfüllendes Ballett in Hamburg uraufführte. 2025 tritt Trump seine zweite Präsidentschaft an, und die Neueinstudierung scheint daran zu erinnern. Großer Wahlkampf jedenfalls auf der Stuttgarter Bühne: Auch wenn auf den Plakaten ein...
Es gibt Szenen in diesem Film, die sich regelrecht einbrennen. Ein junger Mann steht frontal an der Ballettstange, er hält ein Handy, spricht hinein: «Ich habe noch acht Minuten, um mich zu dehnen.» Dann sagt er nichts mehr. Hört zu. Begreift kaum, was der Vater erzählt. Es gab einen Angriff, eine Explosion: «Und dann regnete es Arme vom Himmel, Leichenteile....
