Thomas Hauert «Efeu»
Ein weißer Tanzteppich, an den Ecken etwas gelüftet, scheint wie zufällig in den Raum geworfen zu sein. «Efeu», zum 25-jährigen Jubiläum von Thomas Hauerts Kompanie ZOO entstanden, bleibt eine süße Erinnerung, flüchtig hingetupft auf einem noch unbeschriebenen Blatt Papier, auf dem die Körper der vier Tänzer*innen keine Spuren hinterlassen werden. Es geht, wie oft in zeitgenössischen Tanzperformances, um die physische Beziehung von Leben und Erde.
Zu den schmachtenden Klängen des Italo-Popsongs «Senza Fine» aus den 1960er-Jahren walzt sich ein Quartett von Tänzer*innen durch den Raum des Münchner Kulturzentrums Fat Cat. Ihre Körper sind verschlungen, Beine stechen in die Luft, ihre Gliedmaßen winden und falten sich. Die Körper vermitteln Leichtigkeit, lassen den Abend atmen und zu einem temporären Zufluchtsort vor den Wirren der Welt werden.
Auf der Basis einer strukturierten Improvisation von ursprünglich sechs Tänzer*innen bildet sich ein hochkomplexes Netzwerk an Körperstudien. Für die Suche nach Bewegungsqualitäten dienten Impulse des menschlichen Skeletts und des Nervensystems. Die Körper lauschen einander, ausgestreckte Handflächen und Blicke akzentuieren den Bewegungsfluss, ...
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Tanz März 2024
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Miriam Althammer
Als wär’ er eine Marionette. Ganz am Anfang der Aufführung sitzt Friedemann Vogel auf der Hinterbühne des Kleist Forums in Frankfurt/Oder und lässt seine Glieder spielen. Ganz leicht hebt sich die Linke aus dem Handgelenk heraus, dann die Rechte. Schließlich folgt Stück für Stück der durchtrainierte Körper, als ob er an unsichtbaren Fäden gezogen würde. Keine...
Berlin, 2004. Podewil. Im großen Saal steht eine junge, engagierte, kämpferisch wirkende Frau und kann ihr Glück nicht fassen. Auf vielleicht zwanzig Interessierte hatte sie gehofft. Es kommen über 100 Lehrer*innen aus der ganzen Stadt. Um etwas ganz Neues soll es gehen. Darum, Kindern und Jugendlichen in Schulen Tanz anzubieten. Musik, Kunst, Darstellendes Spiel –...
Die «Sapeurs» sind ein dankbares Objekt ästhetisch-sozialer Studien in Zentralafrika: Ursprünglich waren die Angehörigen der «Société des ambianceurs et des personnes élégantes» (SAPE) unterprivilegierte Männer in Kinshasa und Brazzaville, deren mondänes, extravagantes Styling in krassem Gegensatz zu ihren teilweise extrem prekären Lebensumständen stand. Erstmals...
