Tanzen im Flow des Films
Keine Logik, keine Ordnung, keine Hierarchie. So sieht María Ribot alias La Ribot ihr neues Werk, «Llámame mariachi». Mit der engen Verbindung von Tanz und Film will sie nichts weniger als eine neue Bühnensprache entwerfen. Das Resultat ist verblüffend. Zwar fällt der von den drei Frauen La Ribot, Marie-Caroline Hominal und Delphine Rosay getanzte erste Teil der Uraufführung in Genf noch klar ab von der darauf folgenden fast halbstündigen Plansequenz, aber die ist großartig: So wurde Tanz selten gefilmt, kein Film hat je so getanzt.
Die drei Interpretinnen wechseln sich in der Rolle der Kamerafrau und Tänzerin gegenseitig ab, das Objektiv begibt sich auf eine Reise durchs Theater. Oberflächen, Wände, Risse, Pappkarton; die Kamera eilt einer Lichtquelle nach, fokussiert auf ein winziges Detail, bringt einen Fuß ins Bild, der tanzt, der rennt, die Kamera folgt. Wenig später spürt sie einem Zeigefinger nach, in schnellem Tempo durch wirre Gänge. Dann filmt sie Zeitungsausschnitte, schwenkt schon weiter, trifft auf einen Fernseher, auf eine Plastikblume, folgt einer Naht, verschiedenen Kanten, und nie ein Schnitt!
Wie in dem legendären schnittlosen Film «Russian Arc» von Alexander ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Porträt: La Ribot und Mathilde Monnier
«Hoffnungsträger»: La Ribot
Der Tanzkongress
tagt vom 5. bis zum 8. November in Hamburg auf Kampnagel. Vier große Kapitel will er aufschlagen, von «Tanz und Politik» über «Kreation und Reflexion» bis hin zu «Tanzgeschichten» (dem Schwerpunkt in diesem Heft) und «Lebensläufen» (wie wird und bleibt man Tänzer, das war der Schwerpunkt unseres Sommerhefts 8-9/09).
«Tanzgeschichten» erzählen...
Benjamin Millepied war Tänzer beim New York City Ballet, als er für Mikhail Baryshnikov und das Ballet de l’Opéra de Paris zu choreografieren begann. Seine eigene Kompanie, die Danses Concertantes, gründete der gebürtige Franzose 2006. Zweifelsohne hat er ein gutes Händchen für Personal – die besten Solisten des American Ballet Theatre und des New York City Ballet...
Man braucht kein kindliches Gemüt, um sich von diesen Spielereien bezaubern zu lassen: Vier Schaumkronen stehen – schneebedeckten Bergspitzen gleich – im kleinen Viereck der Bühne, um die herum wir Platz genommen haben. Eben haben sie noch, als Angriff auf unsere Sehnerven, in dieser irritierenden, nicht einzuordnenden Farbe zwischen rosa, grau und beige geflackert...
