Show in den 1990er Jahren. Foto: Tanzschule Overrath

Tanzdynastien

Was sind das für Tanzschulen, die über Krisen, Kriege und Zerwürfnisse hinweg von ein- und derselben Familie betrieben werden? Ein Beispiel liefern die Overraths in Essen. Besucht hat sie Nicole Strecker

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Es gibt sie überall in Deutschland: Tanzschul-Dynastien. In Köln sind es die TV-bekannten Breuers. In Stuttgart die Burger-Schäfers, deren Gründer noch in Schlemmers «Triadischem Ballett» mitwirkten. In Nürnberg ist Familie Krebs seit 1883 im Tanzschul-Geschäft. In Essen sitzen die Overraths, die vor einem Jahr sozusagen mit einem anderen Clan fusionierten: dank des neuen Leiters Sven-Dominique Bellinghausen, Spross einer Wuppertaler Tanzschuldynastie.

Die Leidenschaft für den Tanz wird offenbar vererbt wie in Handwerksbetrieben der klischeegemäße Fleiß und in Großkonzernen die Gier.

Bürgerliche Etikette, betörender Taumel

Jahrzehntelang lehrten die Overraths die Essener bürgerliche Etikette auf dem Parkett. Sie überstanden die 1968er-Hippie- wie die Rocker- und Punkphasen, die den Gesellschaftstanz als Gipfel reaktionärer Spießigkeit verhöhnten. Egal, ob höhere Zechentochter oder ambitionierter Steigersohn, ob erotikentwöhnter Soldat, mächtiger ‹Krupp-Beamter› oder heutiger Daddel-Teenager – alle lernten sie, dass man die Frau nur behutsam in der Mitte ihres Rückens berührt, bei einem Schritt nicht nur die Beine, sondern am besten auch den restlichen Körper mitnimmt, dass der ...

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Tanz August/September 2017
Rubrik: Serie: Gesellschaftstanz, Seite 66
von Nicole Strecker

Vergriffen
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