Tanz von oben

Er war lange Jahre Tänzer, zuletzt in Nordhausen bei Jutta Ebnother. András Dobi hat die Bühne längst verlassen und ist nun in den Schnürboden umgezogen.

Dort oben, neben den Lampen und Kulissen, diesmal im Theater von Schwerin, hat der Absolvent der Ungarischen Tanzakademie seine Kamera installiert und seinen noch aktiven Kollegen zugeschaut, getrieben von einer Frage, die so alt ist wie die Fotografie selbst: Wie kann der Augenblick, der immer in Bewegung ist, von einer Kamera tatsächlich eingefangen statt nur in Millisekunden festgehalten werden?

Wie lässt sich Bewegung mittels Fotografie überhaupt beschreiben? Ist es möglich, den Tanz nicht «einzufrieren», sondern als bewegte Kunst in ihrer Bewegung zu zeigen? Die Antwort des Künstlers, der heute im bayerischen Grasbrunn bei München lebt, trägt den etwas sperrigen Titel «Photoreographia». Dutzende Bilder einer Tanzenden vereint Dobi, bannt sie in ein einziges Bild. Sichtbar wird nicht etwa eine Illusion von Bewegung, sondern eine Komposition, die allein aus der Dynamik der Tanzbewegung selbst erzeugt wird. Die Distanz und der Aufblick der Kamera bringen so eine noch nie gesehene Komposition hervor.

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Tanz November 2020
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann

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