Tanz von oben
Er war lange Jahre Tänzer, zuletzt in Nordhausen bei Jutta Ebnother. András Dobi hat die Bühne längst verlassen und ist nun in den Schnürboden umgezogen.
Dort oben, neben den Lampen und Kulissen, diesmal im Theater von Schwerin, hat der Absolvent der Ungarischen Tanzakademie seine Kamera installiert und seinen noch aktiven Kollegen zugeschaut, getrieben von einer Frage, die so alt ist wie die Fotografie selbst: Wie kann der Augenblick, der immer in Bewegung ist, von einer Kamera tatsächlich eingefangen statt nur in Millisekunden festgehalten werden?
Wie lässt sich Bewegung mittels Fotografie überhaupt beschreiben? Ist es möglich, den Tanz nicht «einzufrieren», sondern als bewegte Kunst in ihrer Bewegung zu zeigen? Die Antwort des Künstlers, der heute im bayerischen Grasbrunn bei München lebt, trägt den etwas sperrigen Titel «Photoreographia». Dutzende Bilder einer Tanzenden vereint Dobi, bannt sie in ein einziges Bild. Sichtbar wird nicht etwa eine Illusion von Bewegung, sondern eine Komposition, die allein aus der Dynamik der Tanzbewegung selbst erzeugt wird. Die Distanz und der Aufblick der Kamera bringen so eine noch nie gesehene Komposition hervor.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2020
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Arnd Wesemann
Cosmic dancer
Michael Clark ist ein Tanzstar in Großbritannien seit den 1980er-Jahren, der Ära von Margaret Thatcher. Er choreografiert seitdem ein laszives, exzessives Ballett auf High Heels als grelles Anti-Establishment – wurde selbst zur Pop-Ikone. Das Londoner Barbican, das seit 2005 seine Kompanie beherbergt, lässt den schottischen Rebellen auferstehen, der...
Eine deutsche Tanzproduzentin übernimmt das Festival «Moving in November» in Helsinki: Kerstin Schroth, zuletzt Managerin der Choreografin Mette Ingvartsen. Eingeladen hat sie «Consul und Meshie» von Antonia Baehr und Latifa Laâbissi, entstanden bereits 2018. Die beiden Damen hocken als ihre eigenen Urahnen dreieinhalb Stunden lang auf einer opulenten...
Ann-Elisabeth Wolff, vor 30 Jahren, kaum war die Mauer gefallen, wird ein Festival für europäisches Theater gegründet. Was war passiert? Von Leipzig ging die Revolution aus. Von einer weltoffenen Stadt, anders als das in sich selbst ruhende Dresden, das kein Geld für ausländische Künstler ausgeben wollte. Ich war Musikwissenschaftlerin, hatte 14 Jahre als Lektorin...
