Tanz kennt keine Nation

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Wenn Medienpräsenz ein Indikator dafür ist, was uns bewegt, dann gibt es in den letzten Jahren einen klaren ersten Platz: das Wandern. Wir pilgern mit TV-Moderatoren zum Lebenssinn und stärken unseren Glauben an das Leistungsprinzip mit Auswanderer-Soaps. «Mein neues Leben» beginnt mit «Goodbye Deutschland». Wahrlich, unsere Sehnsucht ist grenzenlos. Aber jedes Ding hat zwei Seiten, und die dunkle der Migration ist die Freizügigkeit der Anderen. Jener, die in der «Tagesschau» über das Mittelmeer kommen oder aus dem Osten oder aus Neukölln «mit Migrationshintergrund».

Wie gut, dass es noch Grenzen gibt?

Sehen wir’s mal so: Stellen Sie sich vor, George Balanchine wäre in Russland geblieben oder William Forsythe hätte New York anstatt Stuttgart, Frankfurt, Dresden, den Vorzug gegeben. Mit wem sollte John Neumeier seinen «Othello» besetzen, wenn nicht der Kubaner Amilcar Moret Gonzalez nach Hamburg und Jason Reilly aus Kanada nach Stuttgart gekommen wären? Nicht, dass wir sie auf die Rolle festlegen wollen. Aber wir können von Glück sagen, dass Tänzer sich vom Wandern nicht abhalten lassen. Nicht von Stereotypen und Vorurteilen und auch nicht durch Bürokratie. Von Nijinksky bis ...

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Tanz Juni 2008
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

Vergriffen
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