fratzen

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Beobachtet man, wie Ältere mit Kindern spielen, fragt man sich mitunter, wer von beiden kindischer ist. «Dudududu», machen die Erwachsenen, schneiden Fratzen, kullern mit den Augen, rümpfen kurios die Nasen. Kinder sind zu so etwas noch gar nicht fähig. Warum tut man so was? Um dem Kind ein Lachen zu entlocken? Eine Theorie besagt, Erwachsene machen das Kind nur nach: Denn das staunende, schreiende oder schlafende Kindergesicht sei noch kein Gesicht, sondern eine Maske, die das eigentliche, spätere, das individuelle Gesicht bis auf Weiteres verbirgt.

Erwachsene  wollen der Maske des Kindsgesichts eine Persönlichkeit entlocken, wie jede Maske eine Person verbirgt, die sich bitte zeigen soll. Erwachsene imitieren diese Maske, sie machen das Kind erwachsen, indem sie Fratzen schneiden.

Die Geburt der Maske wird gern in tiefer Vergangenheit, in archaischen Ritualen vermutet, in Geisterglauben und Naturbeschwörungen – die wiederum eng mit dem Tanz verknüpft sind. Mit Bewegungen, die so abseits allen ziel- und zweckorientierten Handelns stattfinden wie das Toben, Hopsen, eben: Tanzen unserer Kinder. Sobald man dieses Tanzen koordiniert, scheint der Tanz wie auf einen Zweck gerichtet. ...

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Tanz Juli 2013
Rubrik: editorial, Seite 1
von

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