Tanz auf linie
Bautzen, eine Kleinstadt in der Oberlausitz. 41 000 Einwohner. Es ist kurz vor 20 Uhr. Im großen Haus des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, hier, wo als Erstes nach der Wende das Ballett abgewickelt wurde, bereiten sich die Männer auf einen Fußballabend vor. Gazprom Schalke 04 versucht das Unmögliche und will den FC Barcelona aus der Championsliga kicken. Eine wahnwitzige Vorstellung. Die Straßen sind fast menschenleer.
In der Stadt mit dem despektierlichen Ruf eines verruchten Gefängnisses, dem berühmten «Gelben Elend», hat man es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht.
Etlichen Damen der Stadt und der näheren Umgebung, so knapp vierzig an der Zahl, geht das schwer am Tanzschuh vorbei. Sie treffen sich in der Turnhalle des Schiller-Gymnasiums. Das Schuhwerk wird laut Schulordnung gewechselt. Die Tänzerinnen stellen sich – heute ist tatsächlich nur ein einziger Tänzer am äußersten Rand mit von der Partie (siehe Fußball) – in vier Reihen auf. Damit sind sie on the line. Aus dem Ghettoblaster tönen erste Takte von Shania Twains Countryhit «Any man of mine». Die Trainerin, Monika Oertel, zählt vor. Die Tänzerinnen zwischen 20 und 62 Jahren rufen sich die Schrittfolge des Canadian ...
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Veitstanz
«Durch Pest, lange Kriege und endloses Unglück zermürbt und im Innersten aufgewühlt», so schreibt Wilhelm Angerstein in seinem 1868 publizierten Buch über «Volkstänze im deutschen Mittelalter», «wälzen sich Scharen Besessener von Ort zu Ort westwärts. Allein oder Hand in Hand kreisen und springen sie in schauerlichem und verrenktem Reigen – stundenlang,...
Abgründe tun sich auf beim Stuttgarter Ballett, gleich zweimal am Abend: Douglas Lee, de facto dritter Haus-Choreograf des Ensembles, macht aus dem Unterbau des Schauspielhauses eine Fallgrube für seinen «Leviathan». Marco Goecke lässt seine «Alben» so lange über die kaum erhellte Bühne geistern, bis ein paar ungeduldige Zuschauer nur noch schwarz sehen. Was ist...
Sasha Waltz hat Pech: Erst setzte Bernd Wilms vom Hauptstadtkulturfonds die weitere Förderung der Berliner Choreografin aus. Was bedeutet, sie muss 875 000 Euro suchen. Der Berliner Haushalt gibt ihr nur 600 000 dazu und wird kaum die neue Fehlsumme in voller Höhe übernehmen. Dann sollte Sash Waltz den ganz großen, in Thessaloniki vergebenen Europäischen Preis für...
