Tanz auf linie
Bautzen, eine Kleinstadt in der Oberlausitz. 41 000 Einwohner. Es ist kurz vor 20 Uhr. Im großen Haus des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters, hier, wo als Erstes nach der Wende das Ballett abgewickelt wurde, bereiten sich die Männer auf einen Fußballabend vor. Gazprom Schalke 04 versucht das Unmögliche und will den FC Barcelona aus der Championsliga kicken. Eine wahnwitzige Vorstellung. Die Straßen sind fast menschenleer.
In der Stadt mit dem despektierlichen Ruf eines verruchten Gefängnisses, dem berühmten «Gelben Elend», hat man es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht.
Etlichen Damen der Stadt und der näheren Umgebung, so knapp vierzig an der Zahl, geht das schwer am Tanzschuh vorbei. Sie treffen sich in der Turnhalle des Schiller-Gymnasiums. Das Schuhwerk wird laut Schulordnung gewechselt. Die Tänzerinnen stellen sich – heute ist tatsächlich nur ein einziger Tänzer am äußersten Rand mit von der Partie (siehe Fußball) – in vier Reihen auf. Damit sind sie on the line. Aus dem Ghettoblaster tönen erste Takte von Shania Twains Countryhit «Any man of mine». Die Trainerin, Monika Oertel, zählt vor. Die Tänzerinnen zwischen 20 und 62 Jahren rufen sich die Schrittfolge des Canadian ...
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