T. Weinberger, M. Zurbach «Dancing Voices»
Es ist eines der Paradoxa unserer Zeit: Wir wären gerne einzigartig und bemühen uns doch, daherzukommen, wie alle anderen. Zu sehen ist das auf Instagram wie in Klassenzimmern. Kein Wunder, dass sich Kunstschaffende immer wieder dem Thema Identität stellen – selbst wenn so viel Ich-Suche in Zeiten von Krieg und Weltverbrennung als seltsamer Luxus erscheint.
In Luzern erheben die Tänzerinnen und Tänzer für «Dancing Voices» buchstäblich ihre Stimme. Und sie tun dies in Marion Zurbachs «Reef», um sich zu befragen und sich selbst als denkendes Subjekt zu (er)finden.
Ihre Stimmen haben Michael Anklin und Franz-Christian Schaden zu einem Klangteppich verwoben, auf dem die Darstellerinnen und Darsteller kriechen und robben, während sie in Tom Weinbergers «Aye Aye Captain» von Worten getrieben werden. Der israelische Choreograf soll laut Tanzdirektorin Wanda Puvogel mit dreißig Seiten Text angereist sein, welche die Tanzenden zu lernen hatten: Sprachfetzen aus Songs, Gedichten, Redensarten und Animations- und Motivationsseminaren. Was den Instagram-Schönheiten die aufgepolsterten Lippen sind, purzelt hier als Sprüche-Wulst über die Lippen der Tänzer.
Mathew Prichard lässt als eloquenter ...
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Tanz 12 2022
Rubrik: Kalender, Seite 40
von Lilo Weber
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GOLDBERG
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