Marco Goecke, Xenia Wiest «Dancing Souls»
«Es war einmal» steht an der Bühnenrückwand bei Xenia Wiests Uraufführung «Remember the Ladies». Und dann treten fünf Vertreterinnen dessen auf, was einmal war: Marie Curie (Margaux Pages) schreibt mit Kreide «Beschwerlicher Fortschritt» an eine Tafel, Frida Kahlo (Anna Korostelova) rutscht der Stift weg, als sie «Ich male meine eigene Realitä-» kritzelt, Elisabeth I. (Laura Cristea) hat keine Lust auf die Ehe, Marlene Dietrich (Eleonora Peperoni) gibt die Diva, und Angela Merkel (Maria Mazzoti) beruhigt: «Sie kennen mich.
» Wiest erzählt vier historische Frauengeschichten, assoziativ, abstrakt, nicht ohne Humor. Die Choreografie klebt nicht an biografischen Details, es ist auch nicht wichtig, ob die Tänzerinnen den Vorbildern optisch ähneln, wichtig ist, dass Stimmungen eingefangen werden: die glatte (und auch gefährlich unangreifbare) Souveränität Merkels, die innere Zerrissenheit Kahlos.
«Remember the Ladies» ist der Höhepunkt eines Triple Bill unter der etwas nichtssagenden Überschrift «Dancing Souls», mit dem Wiest, seit 2021 Ballettdirektorin in Schwerin, den Tanz als Innovationstreiber in der Landeshauptstadt verankern will. Und zwar durchaus hochkarätig: Außer der ...
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Tanz 12 2022
Rubrik: Kalender, Seite 37
von Falk Schreiber
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