Stoic
Wer 2016 die Art Basel besucht hat, erkennt das Bühnenbild in Göteborg auf Anhieb wieder. Die eng bepackten Bücherregale mit namenlosen Bänden um einen Seerosenteich. Das Chesterfield-Sofa, den Konzertflügel, das anonyme Grau: Für Sidi Larbi Cherkaouis neues Tanztheater «Stoic» hat der bildende Künstler Hans op de Beeck seine begehbare Installation «The Collector’s House» noch einmal aufgelegt. Doch die Figuren, dort in Alltagsverrichtungen zu Gips erstarrt, atmen hier, leben, bewegen sich.
Gadgets und Neurosen
Es ist Cherkaouis dritte Kollaboration mit der GöteborgsOperans Danskompani. Nach «Noetic» (2014) und «Icon» (2016) wendet sich «Stoic» den Denkern der griechischen Antike zu. In Anlehnung an die Stoiker illustrieren 18 Tänzerinnen und Tänzer (fünf stammen aus Cherkaouis eigener Truppe Eastman) das Ringen zwischen Trieben und Vernunft. Es geht um Gadgets und Neurosen, gesellschaftliches Funktionieren und verkrüppelte Emotionen. Um die Dinge, die wir überspielen wollen, und die Mittel, die wir dafür wählen. Um geschäftige Oberfläche und tiefsitzenden Seelenschmerz. Cherkaoui mischt urbane Stile wie Tutting und Whacking mit Formen des zeitgenössischen Tanzes – doch nie ...
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Tanz Dezember 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Wiebke Roloff Halsey
Das Ballett Vorpommern knackt diesmal nicht die Nuss. Das hat es seit 1999 immer wieder einmal getan. Stattdessen zeigt das Ensemble als ultimatives Festtagsprogramm «Weihnachten – Das Ballett», d. h. einen «Bunten Teller», wie Ralf Dörnen sagt, den er mit Besinnlichem und Berührendem, Kuriosem und Kurzweiligem bestückt.
Klar, dass sich das Weihnachtsoratorium...
Auf der einen Seite Plattenbauten, auf der anderen eine historische Parkoase, und genau dazwischen schmiegt sich das neoklassizistische Theater von Nordhausen. Gut 42 000 Einwohner hat die Stadt am Südrand des Harzes und schafft es doch, in Kooperation mit Rudolstadt einen Drei-sparten-Spielbetrieb auf die Beine zu stellen, ja mehr noch: am Leben zu halten. Eine...
Als wär’s ein Stück von ihm. Erst am Schluss wendet sich Arkadiusz Glebocki direkt ans Publikum und scheint das ganze Theater als eine poetische Projektion zu entlarven. Er allein, Drosselmeier, hat die Geschichte vom «Nussknacker und Mausekönig» erdacht zum Nutzen und Frommen eines Publikums, das während der Weihnachtszeit alles Wirkliche am liebsten verdrängen...
