Stichprobe: eine Coreografia del Cordel

aus Belo Horizonte in Paris

Tanz - Logo

So viel Abschied war noch nie. Eigentlich ist die «Coreografia del Cordel» mit dem Beifall des Publikums längst zu Ende, doch ein Paar kann nicht voneinander lassen. Ein weiteres Mal fallen sich Sonia Pedroso und Lair Assis in die Arme. Da ein Ciao. Dort ein «Coco». Im Vorbeigehen ein Küsschen. Ein letztes Lebewohl. Immer wieder neue Varianten des Verlangens erfindend, verzögern die beiden ihre Trennung bis zum Überdruss.

Und erst dann kommt das Stück zu seinem schönsten Schluss: Per Handschlag empfiehlt sich das Ensemble seinem Publikum, und wer im Carreau du Temple zu Paris bis zuletzt ausgeharrt hat, wird von den Tänzern und Tänzerinnen vor ihrem Abgang auf das Herzlichste umhalst.
Das kann kein Zufall sein, und die Choreografie scheint denn auch aus dem Stoff, aus dem das Leben ist. Wochenlang haben die Künstler aus dem brasilianischen Belo Horizonte die Exis­tenzbedingungen im Norden von Minas Gerais erforscht. Was sie dabei an Emotionen und Ereignissen kennen gelernt haben, kehrt in verwandelter Gestalt in einem Stück wieder, das nicht einfach von Kinderprostitution handelt, von Armut und erschreckender Einsamkeit, sondern Wahr- und Wirklichkeit in einfühlsame, auch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2005
Rubrik: On Stage, Seite 45
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sacrifice the puppets

“Polis” is the third part of the project “Ho male all’altro,” which means something like “the other hurts me” or “I hurt with the other;” a series of works by Michele Abbondanza and Antonella Bertoni begun in 2000 inspired by ancient Greek tragedies. After “Alcestis,” which looked at self-sacrifice through generosity and love, and “Medea,” the sacrifice of others...

Ein Brief aus Turin

Turin is traditionally linked to French culture, so it is not surprising that a few years after the huge success of the long-running Parisian show “Tango Argentino” by Claudio Segovia and Héctor Orezzoli, premiered in 1983 – a gorgeous revival of the early twentieth century wave of the typical Argentinian mix of music, song and dance, created in Paris – the...

Brüllen wie die Tiere

59. Festival d’Avignon. Am Eröffnungstag sitzt der Kulturminister ganz vorn im Ehrenhof des Palais des Papes, um sich den neuen Fabre anzusehen. Die seit zwei Jahren gegen den Abbau ihrer Arbeitslosenversicherung protestierenden Künstler haben Karten für die hintersten Ränge ergattert, rufen von dort: «Minister raus!» Er geht nicht. Die Protestler brüllen weiter....