Stichprobe: eine Coreografia del Cordel

aus Belo Horizonte in Paris

Tanz - Logo

So viel Abschied war noch nie. Eigentlich ist die «Coreografia del Cordel» mit dem Beifall des Publikums längst zu Ende, doch ein Paar kann nicht voneinander lassen. Ein weiteres Mal fallen sich Sonia Pedroso und Lair Assis in die Arme. Da ein Ciao. Dort ein «Coco». Im Vorbeigehen ein Küsschen. Ein letztes Lebewohl. Immer wieder neue Varianten des Verlangens erfindend, verzögern die beiden ihre Trennung bis zum Überdruss.

Und erst dann kommt das Stück zu seinem schönsten Schluss: Per Handschlag empfiehlt sich das Ensemble seinem Publikum, und wer im Carreau du Temple zu Paris bis zuletzt ausgeharrt hat, wird von den Tänzern und Tänzerinnen vor ihrem Abgang auf das Herzlichste umhalst.
Das kann kein Zufall sein, und die Choreografie scheint denn auch aus dem Stoff, aus dem das Leben ist. Wochenlang haben die Künstler aus dem brasilianischen Belo Horizonte die Exis­tenzbedingungen im Norden von Minas Gerais erforscht. Was sie dabei an Emotionen und Ereignissen kennen gelernt haben, kehrt in verwandelter Gestalt in einem Stück wieder, das nicht einfach von Kinderprostitution handelt, von Armut und erschreckender Einsamkeit, sondern Wahr- und Wirklichkeit in einfühlsame, auch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2005
Rubrik: On Stage, Seite 45
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Jenseits

Alfred Döblin schrieb dem Ballett in «Die Tänzerin und der Leib» (1910) eine brutale Deformation des Körpers und damit der Seele zu. Ernst Jünger feierte umgekehrt in «Über den Schmerz» (1934) die Zurichtung des Körpers als das Ziel jeder Seele. Und Rainer Maria Rilke betrachtete den Tanz als eine Verwandlung, in der das Sichtbare endlich unsichtbar und geistig...

Eine Waschanleitung

Er hat mehr Einfluss auf die Tanzszene, als ihm bewusst ist. Erwin Wurm, Österreicher und Künstler. 1991 zog er sich dreizehn Pullover übereinander an. Sechs Jahre später entdeckte Jérôme Bel, dass dieses Übereinanderschichten von T-Shirts in «Shirtologie» auch Tanz sein kann – so, wie Erwin Wurm diesen «Prozess» des An- und Ausziehens eine Skulptur nannte. 1992...

Brian Webb

Brian Webb hat überlebt. Der großen Krise 2004, der das kanadische FIND!-Festival nach massiven Kürzungen durch den Canada Council zum Opfer fiel – das einzige Festival, das auch europäischen Tanz nach Kanada brachte –, entkam der Leiter des alle zwei Jahre in Ottawa stattfindenden Canada Dance Fes­tivals nur durch die strikte Einhaltung einer Regel: Kanadiern nur...